„Wir bieten Verpackungsalternativen, die Nachhaltigkeit erschwinglich machen“

Im ersten Teil unseres Perspektiven-Interviews beleuchtete Wolfgang Huber, Leiter des Bereichs Order Processing für die Verpackungstechnik bei Krones, die Welt der Sekundärverpackungs-Alternativen. Jetzt erzählt er, welche Anlagenlösungen Krones dafür bereits im Portfolio hat.

Mit den LitePac Gebinden hat Krones ein nachhaltiges Verpackungskonzept entwickelt. Wie sieht es mit der dazugehörigen Maschinentechnologie aus?

Wir sehen den Wandel in der Sekundärverpackung aktuell vor allem bei Dosen. Große Konzerne haben hier entsprechende Programme gestartet, um die Schrumpffolie durch Karton zu ersetzen. Mit unserer Varioline haben wir hier bereits eine Maschinenplattform, die mehr als zwanzig verschiedene Kombinationen an Sekundär- und Tertiärverpackungen verarbeitet, darunter auch LitePac Top. Wir können unseren Kunden also eine neuartige, alternative Verpackungsform bieten, die aber auf bewährter Maschinentechnologie läuft – eine klassische Win-win-Situation.

Der Baukasten der Varioline erweitert sich ständig. Was sind denn die jüngsten Zuwächse?

Zum einen natürlich LitePac Top. Großer Pluspunkt der Maschine bei dieser Gebindeform ist die Möglichkeit, Behälter exakt auszurichten. So muss der Kunde auch beim Thema Marketing keine Abstriche machen. Denn durch den Verzicht auf eine Schrumpffolie geht auch potenzielle Werbefläche verloren, die er dank der Varioline nun ganz einfach auf die Dose verlagern kann.

Im Glasbereich haben wir auf der BrauBeviale 2018 die Varioline als reinen Aus- und Einpacker gezeigt. Der Unterschied zur traditionellen Technologie: Die Gebinde laufen in einem kontinuierlichen Strom durch die Maschine. So erreichen wir deutlich höhere Maschinenleistungen, und das auf deutlich geringerem Footprint: Denn die Varioline schafft 72.000 Flaschen pro Stunde beim Ein- und sogar über 86.000 beim Auspacken – und das in einbahniger Ausführung.

Aber auch als Umpacker lässt sich die Maschine einsetzen. Vor allem Brauereien nutzen diese Funktion, um ihre Flaschen aus Mehrweg-Kästen zum Beispiel in Kartons für den Export zu setzen.

Sie haben den Footprint angesprochen. Um wie viel lässt sich dieser bei Einsatz der Varioline reduzieren?

Eine unserer Hauptkonfigurationen ist eine zweimodulige Maschine, die fünf konventionelle Maschinen plus entsprechende Transporttechnik ersetzt. Denn Karton- und Basket-Auffalter, Basket-Einsetzer, Flascheneinpacker und Deckelverschließer sind in einer einzigen Maschine zusammengefasst – und diese besitzt eine Aufstellfläche von nur rund 30 Quadratmetern. Bei einer Einzelaufstellung läge diese sicherlich 15-fach so hoch. So gesehen ist die Stärke der Varioline gegenüber konventionellen Maschinen das Verhältnis von Verpackungsvarianz pro Quadratmeter.

Weil wir gerade schon den Footprint angesprochen haben: Welche Rolle spielen Blocklösungen im Trockenteil?

Der ErgoBloc D beispielsweise verbindet Einwegpacker, Pufferstrecke, Gruppiersystem und Palettierer – doch zugegebenermaßen ist dieser auf den ersten Blick nicht als platzsparender Block zu erkennen. Das liegt vor allem am Schrumpftunnel, der im Fall einer Störung zwingend leergefahren werden und deshalb eine entsprechende Pufferstrecke vorhalten muss.

Orientiert man sich aber bei der Sekundärverpackung weg von der Schrumpffolie, hin zu Alternativen wie LitePac Top oder Karton, dann ergeben sich signifikante Potenziale fürs Anlagenlayout. Denn dann lassen sich durch direktes Blocken von Packer und Palettierer Pufferstrecken komplett eliminieren. Das eröffnet tolle Chancen für die Zukunft, um die Linie noch kompakter zu gestalten. Für den Kunden bedeutet dies außerdem: weniger Equipment, kompakterer Footprint, niedrigerer Invest, geringerer Verschleiß – also rundherum nur Vorteile.

Auf der drinktec 2013 haben wir bereits gezeigt, wie eine solche Blocklösung aussehen könnte. Damals haben wir eine Verpackungsmaschine für die Gebindeumreifung LitePac direkt mit einer Gebinde-Gruppierstation Robobox und einem Einweg-Palettierer verbunden – und den Platzbedarf eines Trockenteils für Einweg-PET-Gebinde um 50 Prozent reduziert.

Niedrigerer Energieverbrauch, nachhaltigere Verpackungen, weniger Platzbedarf – kann man sagen, dass Krones sich schon lange damit beschäftigt und fertige Lösungen für den Markt hat?

Es ist tatsächlich so, dass wir für alle Behälterarten bereits überzeugende Konzepte für Verpackungsalternativen im Portfolio haben: Bei der Dose gibt es mit LitePac Top nicht nur das passende Konzept, sondern mit der Varioline auch eine entsprechende, bewährte Maschinentechnik. Diese verarbeitet im Übrigen auch Glasbehälter in verschiedenen Verpackungskombinationen.

Bei PET-Behältern können wir zweigleisig fahren: Einerseits haben wir mit Umreifungsband und Karton-Clip zwei LitePac Varianten, die den Kunststoff-Einsatz auf ein Minimum reduzieren beziehungsweise sogar ganz eliminieren. Andererseits sind wir auch in der Lage, die bestehenden Schrumpfgebinde zu optimieren, beispielsweise, indem wir Gewicht und Überstände der Folie minimieren und alles auf ihre Grenzwerte hin auslegen.

Ist diese Zweigleisigkeit bei PET-Gebinden bewusst gewählt?

Ja, denn ich glaube, dass hier der Druck am Markt noch nicht so groß ist: Selbst, wenn man bei einem PET-Gebinde in der Sekundärverpackung auf Kunststoff verzichtet, ist dieser ja im Behälter selbst immer noch vorhanden. Außerdem sind viele Getränkeproduzenten aktuell noch relativ verhalten, was Investitionen im PET-Bereich anbelangt, solange nicht klar ist, wie sich der Umgang mit der Ressource global, aber auch in den einzelnen Ländern und Regionen entwickelt.

Deshalb sehen es viele unserer Kunden gerne, wenn wir ihnen Lösungen bieten, um den Materialeinsatz zu reduzieren – ohne dabei zu stark in den bestehenden Maschinenpark eingreifen zu müssen. So haben wir heute Kunden, die statt einer 35- jetzt nur noch eine 26-µm-Folie verwenden. Diese geringere Folienstärke bedeutet einerseits niedrigere Verpackungskosten, andererseits kann der Getränkehersteller die Einsparung auch als Marketing-Argument nutzen im Sinne von „auch weniger Material ist ein Beitrag für den Umweltschutz“. Das ist sozusagen ein erster Schritt in Richtung Nachhaltigkeit, für den jedoch keine komplette Neuinvestition nötig ist.

Was bedeuten all diese neuen Ansätze und Forderungen denn konkret für Krones?

Unsere Kunden fordern von uns Alternativen, die auf Bewährtem aufbauen. Denn im Kern geht es nicht darum, etwas revolutionär Neues zu entwickeln, sondern Bestehendes weiterzuentwickeln, und zwar unter Rücksichtnahme von Faktoren wie Verpackungsmaterialkosten, Maschinenleistungen, Gebindestabilität und Footprint. An dieser Aufgabe sind wir schon seit Längerem dran und haben mittlerweile für jede Behälterart eine passende Verpackungsalternative, die Nachhaltigkeit erschwinglich macht.