Wenn Ersatzteile „sprechen“ können

Kampf gegen Reklamationskosten

Reparaturen in Abfüllanlagen sind komplex
– aus unzähligen Bauteilvarianten ist die passende auszuwählen und anschließend auf korrekte Weise einzusetzen. Falsch eingebaute Ersatzteile verursachen jedes Jahr tausende Euro an Reklamationskosten. Das Krones Innovation Lab hat jetzt einen digitalen Helfer für das Problem entwickelt.

Besucher des Krones Messestands auf der drinktec konnten bereits das Ergebnis eines Innovationsprojekts bewundern, das nur wenige Monate vorher gestartet war. Via QR-Code konnten sie in die neue digitale Ersatzteilwelt eintauchen: Ohne Umwege gelangten sie im Digital Installation Guide zur passenden technischen Dokumentation des bestellten Bauteils – und hätten als Monteure

damit alle Informationen zum fehlerfreien Einbau auf einen Blick gehabt. Schwierigkeit der Reparatur, Zeitdauer, benötigtes Werkzeug, ja sogar Anleitungsvideos, Bestelloptionen und einen direkten Draht zum Support bündelt die Anwendung an einem Ort. Die Digitalplattform in Verbindung mit QR-Code-Aufklebern auf Ersatzteilen war dabei keineswegs von Anfang an in dieser Art geplant. Sie ist vielmehr das Ergebnis eines iterativen Prozesses.

Denn die Grundidee, mit welcher das Krones Innovation Lab in ein Projekt startet, verändert sich im Projektverlauf ständig. Moderne Methoden wie Lean Startup und Design Thinking zielen darauf ab, möglichst schnell eine ganzheitliche und kundenzentrierte Problemlösung zu finden. Zu diesem Zweck werden immer wieder neue Prototypen entworfen und mit Kunden getestet. Es wird verbessert und manchmal ganz neu gedacht. Ab und zu werden die Mitarbeiter hier im Innovation Lab sogar zu „kleinen Terroristen“ und versuchen in einem Rollenspiel das Projekt zu sabotieren, um die Schwachstellen aus den bestehenden Entwürfen herauszukitzeln. Im Fall des Digital Installation Guides war zunächst ein einfacher Versand von technischen PDFs vorgesehen. Später versuchten wir, den elektronischen Teilekatalog (eCat) einzubinden, um im nächsten Schritt mit einer eigenen App noch flexibler auf die Nutzerwünsche zu reagieren. Am Ende entwickelten unsere Lab-Mitarbeiter nun eine multifunktionale und betriebssystemunabhängige Web-App für Monteure.

Der ständige Austausch mit erfahrenen Servicemitarbeitern von Kunden wie Erdinger und Bitburger oder auch internationales Feedback, etwa vom australischen Aussie Natural Spring Water, hat diese Entwicklung beschleunigt. So zeigten uns die Gespräche zum Beispiel, dass es nicht die Betriebsanleitung ist, nach denen Kunden bei Reparaturen suchen, sondern das spezifische Datenblatt des Bauteils und die konkreten Montagehinweise.

Voraussetzung für den Start von 0 (Idee) auf 100 (Produkt) ist natürlich auch eine gewisse Kreativität im Projektteam. Im Innovation Lab profitieren wir dabei von den vielen unterschiedlichen Fachrichtungen der Mitarbeiter – neben klassisch technischen Fächern kommen meine Kollegen u.a. aus den Bereichen Informatik, Mathematik, BWL oder Design. Damit die Entwicklungsgeschwindigkeit entsprechend hochgehalten wird, setzt Dr. Johannes Scholz, der Leiter des Innovation Lab, unter anderem auf Methoden wie agiles Projektmanagement. Die dabei verwendeten Kanban-Boards sorgen dafür, dass Arbeitspakete nachvollziehbar werden und neue Anforderungen jederzeit integrierbar sind. Im beschriebenen Projekt zeigten sich die Vorteile ganz praktisch darin, dass wir den Fokus des untersuchten Anwendungsfalls anpassen konnten: Zunächst war eine technische Dokumentation für Neumaschinen geplant, als sich im Laufe der Recherchen das Problem mit den falsch eingebauten Ersatzteilen ergab.

Am Ende des Projekts stand nicht nur der Messeauftritt in München, sondern auch ein Business Case zur Analyse der wirtschaftlichen Tragfähigkeit und eine ausführliche Implementierungs-Roadmap. Mit der internen Projektübergabe an den Lifecycle Service ist somit sichergestellt, dass der Digital Installation Guide in einem regulären Entwicklungsvorhaben zur Marktreife weiterentwickelt werden kann.

Das Team des Krones Innovation Lab tüftelt derweil schon an zwei neuen digitalen Ideen – und freut sich über Unterstützung: Eingestellt werden neue Praktikanten (ab März 2018) und Werkstudenten (ab sofort). Du hast Lust, zukunftsweisende Technologie-Ideen innerhalb weniger Monate zu ersten Produkten zu entwickeln und Start-Up-Atmosphäre zu schnuppern? Dann bewirb dich über die Krones Stellenbörse (Praktikant / Werkstudent) und werde Teil unseres jungen, interdisziplinären Teams.