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Was der nicht alles kann…

Ich kann mich noch gut erinnern – wenn ich als Kind mit meinen Eltern ins Gasthaus ging, war es für mich immer langweilig, den Erwachsenen bei ihren Gesprächen zuzuhören. Also suchte ich mir eine Beschäftigung, um diese Langeweile zu vertreiben. Und diese Beschäftigung lag meistens direkt vor mir auf dem Tisch: Bierdeckel.

Sie kennen das bestimmt. Mit Bierdeckeln, sofern quadratisch, lassen sich mit viel Geduld und einer ruhigen Hand pyramidenförmige Türme bauen. Dreistöckig, vierstöckig legte ich damals die Pappdeckel aneinander und wehe dem, der an den Tisch gestoßen ist und das Haus zum Zusammensturz brachte!

Natürlich werden Bierdeckel, Bierfilz, Bierteller oder wie man sie auch nennen will, nicht dazu hergestellt, kleinen Kindern zu helfen, sich in Lokalen die Zeit zu vertreiben. In erster Linie schützen sie, unter dem Glas platziert, die Kleidung des Gastes vor tropfendem Kondenswasser und oben aufgelegt das Bier vor unbeliebten Insekten im Glas.

Und das schon ziemlich lange: Der Getränkeuntersetzer tauchte erstmals im 19. Jahrhundert auf. Jedoch nicht in der Form, wie wir ihn heute kennen. Damals benutzten die Leute für ihre Bierkrüge Unterlagen aus Filz, was den Namen Bierfilz erklärt. Der Filz eignete sich jedoch nur bedingt als Unterlage für das kühle Getränk. Zwar saugte er Kondenswasser auf, das sich unweigerlich an der Außenseite des Glases bildet und gern das Glas hinabläuft, wurde jedoch durch seine textile Struktur schnell feucht und unhygienisch.

Also entschied man sich für eine Unterlage aus Pappe. Der Deutsche Robert Sputh erfand Ende des 19. Jahrhunderts eine Methode, so genannte Holzfilzplatten herzustellen, die aus gepresstem Papierbrei bestanden. Casimir Otto Katz , ein weiterer Deutscher, begann schließlich im Jahre 1903 die Bierdeckel so herzustellen, wie wir sie heute kennen. Sie bestehen aus frischem Fichtenholz, das sich durch seine hohe Saugfähigkeit ideal eignet und sich über die Jahre bewährt hat.

Bierdeckel erwiesen sich im Laufe der Zeit als multifunktionell. Weil sie grundsätzlich in Lokalen unter jegliche Art von Getränk gelegt werden und daher während des gesamten Besuches präsent sind, eignen sie sich ideal als kostengünstige Werbefläche. Deshalb bedrucken Getränkehersteller, vorzugsweise Biermarken, sie gerne mit ihrem Logo.

Außerdem hat es sich in manchen Gasthäusern eingebürgert, die Getränkeanzahl bei mehreren Getränken durch Striche auf der Pappe festzuhalten, um später das Abrechnen zu erleichtern.

Und, natürlich nicht zu vergessen, die von mir schon früher so geliebte Zweckentfremdung, Kartenhäuser mit Bierdeckeln aufzustellen. Wenn ich so zurück denke, würde ich wirklich gern mal wieder eines bauen, um zu sehen, wie viele Stöcke ich hinbekomme. Sie auch?

Oder sammeln Sie vielleicht sogar Bierdeckel? Bei uns hat sich schon eine kleine Menge angehäuft. Welcher davon gefällt Ihnen am besten?

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