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Im Berliner Bierreich angekommen

Genauer gesagt im Hopfenreich mitten in Berlin-Kreuzberg. Dort habe ich nämlich erst kürzlich während meines Städtettrips auf ein Glas Bier vorbeigeschaut und war schwer beeindruckt davon, wie sich die Craft Beer Szene in der deutsche Hauptstadt schon entwickelt hat. Dort haben sich nämlich schon zahlreiche Craft Beer Pubs und Stores einen Namen gemacht und sind mittlerweile auf dem Markt längst keine Unbekannten mehr. Bestes Beispiel: das Hopfenreich. Und da habe ich die Gelegenheit genutzt und Mark, einem der beiden Inhaber, bei meinem Besuch gleich ein paar Frage zum Hopfenreich, Craft Beer im Allgemeinen, Tendenzen und Zukunft von Craft Beer, usw. gestellt …

Mark, du bist Inhaber der Craft Beer Bar Hopfenreich. Seit wann gibt es das Hopfenreich jetzt überhaupt schon und warum sollte es eine Craft Beer Bar werden?

Ich bin einer von 3 Betreibern. Wir haben das Hopfenreich am 01. Mai 2014 eröffnet. Eher geräuschlos und dann weiter entwickelt. Der Geräuschpegel darum wurde dann sehr schnell höher, was uns natürlich sehr gefreut hat. Den Zusatz „Craft Beer Bar“ haben wir gewählt, um deutlich zu machen, warum es hier geht. Wir waren mit dem Hopfenreich das erste Lokal, das in Berlin ausschließlich Craft Beer in größerem Umfang angeboten hat.

Wie viele Mitarbeiter sind im „Hopfenreich“ tätig?

Momentan 8 am Tresen und der Attila Kiss und ich als Geschäftsführer. Aktuell können wir noch Verstärkung am Tresen gebrauchen.

Was ist denn eure Grundphilosophie bzw. was zeichnet das Hopfenreich aus?

Ja, das ist die Fassrotation. Sobald ein Bierfass geleert ist, kommt eine anderes an den Hahn. Also ein völlig anderes Bier, sodass man hier innerhalb kurzer Zeit viele neue Biere kennenlernen kann. Wir behalten uns vor, uns möglichst an nichts und niemanden zu binden und völlig frei in der Entscheidung zu sein, welche Biere wir unseren Gästen anbieten. Und da sind wir recht breit aufgestellt. Das heißt, die Bierauswahl ist sehr vielfältig und beinhaltet viele verschiedene Bierstile. Wir haben 22 verschiedene Biere an den Zapfhähnen. Und es ist der Charme des Hopfenreichs, den das zum großen Teil selbst gezimmerte bzw. handgefertigte Interieur und unser Personal ausmacht. Charmant-rustikal mit Seele und freundlichem sowie fachkundigem Bartendern und Bartenderinnen.

Zu einer Bar gehört ja nicht nur dazu, dass Getränke und Speisen gut ankommen. Auch das „Drumherum“ muss passen. Was war dir in Sachen „Ambiente“ beim Hopfenreich wichtig? 

Wichtig ist uns bis heute eine Atmosphäre, die lebt. Die entsteht bei uns durch das Ambiente insgesamt mit seiner Einrichtung. Vieles hier ist alt, aber atmet immer noch kräftig. Vieles hier ist auch selbstgefertigt mit Ecken und Kanten, so wie es im Leben ist. Man merkt sehr schnell, sobald man das Hopfenreich betritt, dass hier schon immer Gastwirtschaft betrieben wurde und seit vielen Jahrzehnten Bier ausgeschenkt wird. Es knarrt und ächzt, der Dielenboden ist im Laufe der Zeit abgelaufen. Hier sind sehr viele Menschen zu Gast gewesen und haben dieses Ecklokal genossen. Diese Geschichte schreiben wir mit dem Hopfenreich und unserer Idee weiter.

Welche Auswahl an Craft Beer habt ihr im Sortiment? Kann man überhaupt von Sortiment sprechen oder ändert sich das Angebot im Hopfenreich ständig? 

Wir haben eigentlich alle Bierstile zur Auswahl. Nicht immer zur selben Zeit, aber im Laufe der Wochen schon. Bei uns wechseln die Biere regelmäßig recht flott. Das macht einen Besuch immer wieder neu. Wir achten insgesamt darauf, dass wir immer einige Berliner Craft Biere aktuell am Hahn haben, weil wir der Berliner Craft Beer Szene eng verbunden sind und uns über deren Entwicklung sehr freuen. Außerdem werden in Berlin viele tolle Biere gebraut, sodass auch unsere internationalen Gäste diese lokalen Biere stark nachfragen.

Was sind für dich/ euch Kriterien, ein bestimmtes Craft Beer ins Angebot aufzunehmen?

Wir können zwar leider nicht jedes Bier vorab probieren, aber die meisten kosten wir vorher. Und wenn das nicht möglich ist, weil ein bestimmtes Bier einfach nicht vorher verfügbar ist, kann man sich darüber aber auch einigermaßen verlässlich informieren. Wir haben selbst einen guten Überblick und sind immer neugierig. Wir haben auch viele Kontakte, die wir befragen können. Und dann sind da noch ein paar Kontakte, die wir befragen können oder die entsprechenden Online-Fachforen. Das ist ein wenig wie Recherchearbeit.

Kriterien für die Auswahl sind daher unser persönlicher Geschmack und der unserer Gäste, unsere Neugier und unser Interesse, allgemeine Empfehlungen und auch Auszeichnungen für Biere.

Habt ihr auch ganz außergewöhnliche Craft Beer Sorten im Angebot, bei denen ihr anfangs vielleicht gar nicht einschätzen könnt, wie sie bei den Kunden ankommen? Oder greift man als Geschäftsmann lieber zur sicheren, evtl. rentableren Variante, sprich dem Craft Beer, das möglichst vielen gut schmeckt? 

Wir bieten auf jeden Fall auch Biere an, die nicht unbedingt massentauglich sind, aber deshalb nicht weniger spannend und lecker. Das sind dann die ganz besonderen Biere, wie z.B. das Vanilla Tripe Gruit vom Spent Brewers Collective aus Berlin.

Beschränkt ihr euch auf deutsches Craft Beer oder lasst ihr euch weltweit inspirieren?

Wir bieten Craft Biere von überall an. Hier ist die Frage, ob und wie man an das Bier kommt. Sehr viele Biere sind in Deutschland gar nicht verfügbar, haben hier keinen Vertrieb. Da ist dann Eigeninitiative gefragt. Wir importieren immer wieder mal Bier und sind dann die ersten und einzigen, die bestimmte Biere in Berlin und auch deutschlandweit anbieten.

Gibt es deiner Meinung nach denn ein Craft Bier, dass du immer mit Berlin verbindest?

Da gibt es für mich persönlich einige. Es sind vor allem die Biere der Brauer, die schon länger dabei sind und die ich zuerst kennengelernt habe. Dazu gehören Schoppe Bräu, Heidenpeters, Beer for Wedding aka Bierfabrik, Vagabund, Brewbaker, Hops & Barley, Spent und Lemke. Aber die „jüngeren“ Brauereien stehen da in nichts nach.

Braut ihr auch selbst Craft Beer? Gibt es eine Eigenmarke Hopfenreich?

Bisher noch nicht. Wir haben letztes Jahr das Festbier zum Braufest Berlin gebraut und haben gerade begonnen, zusammen mit der Brauerei Lemke – übrigens Berlins erste Craft Beer Brauerei – das Festbier für das Berlin Craft Beer Fest 2016 (29.-30. Juli) zu brauen. Und dann schauen wir, wie sich alles entwickelt und wann wir selbst „Hopfenreich Biere“ brauen. Das ist gerade vor allem auch eine Frage der Zeit, da wir noch mit weiteren schönen Geschichten beschäftigt sind. An dieser Stelle empfehle ich mal schnell einen Besuch in der IPA Bar in Neukölln. Der Name ist hier Programm.

Wie sieht eure Kundschaft aus? Gibt es da bestimmte Altersklassen oder Schichten, die eure Bar regelmäßig anpeilen?

Die Gäste sind bunt gemischt und gerne international. Aber auch die direkte Nachbarschaft und Berlin an sich trinkt bei uns Bier. Es sind interessierte Gäste, die gezielt ins Hopfenreich kommen, weil sie davon gehört haben. Unsere Stammgäste schauen regelmäßig vorbei und Menschen, die mit Bier zu tun haben. Brauer und Beer Nerds aus aller Welt. Und einfach Neugierige, die erleben möchten, was Craft Beer ist. Das Publikum schätze ich ab 25 Jahre und weit aufwärts ein. Aber auch die klassischen Kneipengäste sind da, die nichts gegen Craft Beer haben J 

Welches Craft Beer ist bei eurer Kundschaft deiner Meinung nach am beliebtesten? Welches ist dein Favorit und warum?

Bei den Gästen, die nicht in Berlin leben, sind die Berliner Craft Biere besonders beliebt. Aber eigentlich auch bei vielen Berlinern. Das lässt sich wirklich nicht konkret sagen. Immer noch sehr angesagt sind IPAs und auch Pale Ales. Gerne werden die US-amerikanischen und auch skandinavischen bestellt. Aber oftmals wissen die Gäste gar nicht genau, was sie eigentlich trinken möchten, wenn sie das Hopfenreich betreten. Es fehlt ein wenig die Orientierung im großen Bierangebot. Das ist dann ein klassischer Fall für unser Personal, das dem Gast am Tresen durch ein kurzes Gespräch und vielleicht einem oder zwei Tastern entlockt, welches Bier mit welcher ungefähren Geschmacksrichtung er denn gern trinken möchte.

Ihr bietet ja auch Beer Tastings an. Wie kommt das an und wie läuft ein solches Tasting überhaupt ab?

Das kommt gut an und wird zunehmend nachgefragt. Wir bieten Beer Tasting für Gruppen mit Voranmeldung an. Wir sprechen den Rahmen ab und dann kann es so aussehen: Eine Gruppe von 12 Personen hat sich für ein Tasting angemeldet, das dann von unserem geschulten Personal im Hopfenreich für sich in einem halboffenem Raum zelebriert wird. Es werden verschiedene Biere und Bierstile „getastet“. Dazu gibt es einen Snack. Das Tasting wird moderiert, es wird locker über die Biere und die Brauereien erzählt. Außerdem informieren wir über die Berliner Craft Beer Szene und geben Tipps und Empfehlungen.

Welche sonstigen Events sind im „Hopfenreich“ geboten?

 Wir bieten außerdem die „Berlin Craft Beer Tours“ an. Ein Spaziergang durch einige Craft Beer Spots mit Verkostung und Moderation durch den Guide und auch die Brauer bzw. Lokalpersonal. Eine wirklich gute Gelegenheit, die Berliner Craft Beer Szene kennenzulernen, neue Ort zu entdecken und zu verstehen, warum Craft Beer in und aus Berlin besonders angesagt ist. Die Touren finden in Friedrichshain oder Kreuzberg oder Neukölln statt. Das befindet sich gerade im Aufbau, aber läuft schon. 🙂

Siehst du als Geschäftsführer andere Craft Beer Bars als Konkurrenz oder eher als Bereicherung?

Als Bereicherung auf jeden Fall. Hier wird viel zusammengearbeitet. Aber klar, auf der anderen Seite muss man sich ordentlich reinhängen und darf nie stehen bleiben, muss sich weiter entwickeln und neue Ideen umsetzen.

Wie schätzt du die Entwicklung und Zukunft der Craft Beer Szene persönlich ein? Gibt es Tendenzen oder bestimmte Schwerpunkte? 

Ich gehe davon aus, dass sich der Trend Craft Beer noch weiter ausprägt und an Breite gewinnt. Da ist noch viel Potenzial. Die Craft Beer Gastronomie ist vor allem ein urbanes Thema, und es wird dann an den entsprechenden Orten bzw. in den Städten irgendwann eine Sättigung eintreten. Bis dahin vergeht aber sicherlich noch einige Zeit. Die Craft Beer Produktion befindet sich in Deutschland auch erst im Anfangsstadium. Das ist zurzeit sehr spannend, weil z.B. in Berlin und auch anderen Großstädten – beispielsweise Hamburg – viele neue kleine Craft Beer Brauereien entstehen. Auch hier gilt, dass man sich am Markt behaupten muss, wenn man mittel- und langfristig brauen will. In Berlin hat gerade der Prozess der Professionalisierung hinsichtlich der Vermarktung der eigenen Brauereiprodukte begonnen. Das war vor zwei oder drei Jahren noch anders. Die Brauereien haben im Unterschied zur Gastronomie grundsätzlich die Gelegenheit, ihre Biere überall hin zu liefern, können also entsprechend expandieren. Die Brauer müssen sich entscheiden, ob sie das wollen oder nicht. Da sind die Ambitionen in Berlin sehr unterschiedlich. Wir als Craft Beer Bar in Berlin an diesem Standort können nur bis zu einem bestimmten Niveau wachsen, und das gilt es dann zu halten.

 

Eins ist gewiss: Beim Hopfenreich wird Begeisterung und Leidenschaft für Craft Beer jeden Tag gelebt. Und das merkt man alleine schon, wenn man die Bar nur betritt. Hier ist der Name tatsächlich Programm: Man fühlt sich direkt im Reich des Hopfen angekommen. Mich hat die Bar jedenfalls – nicht nur biertechnisch – überzeugt. Kennen Sie auch interessante Craft Beer Bars oder Stores, die Sie nicht länger für sich behalten wollen? Dann könnt ihr eure Vorschläge gerne als Kommentar hinterlegen 🙂

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1 Kommentar

Time for a beer! – Here are some places where the ambience redoubles the pleasure › Craft Beer Blog at 13. Oktober 2016

[…] the Kaschk doesn’t tick all your boxes, how about a visit to the Hopfenreich in Berlin Kreuzberg? What makes the Hopfenreich so unique? Read about it […]

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