English | Deutsch

Die Schlafmützen der Getränkeindustrie

Erst einmal blicke ich ein bisschen skeptisch auf die neuste Errungenschaft meiner Mutter, die sie mir da stolz vorführt. Ein Schmuckstück der besonderen Art wie ich finde. Ich spreche von einem Armband aus Kronkorken in den unterschiedlichsten Farben und Labels – ein trendiges Accessoire, das sich meiner Meinung nach sogar ganz gut sehen lassen kann. Diese gleichzeitig ungewöhnliche und kreative Verwendung von einfachen Bierstöpseln hat mich neugierig werden lassen. Was steckt denn hinter diesen kleinen Alltagsbegleitern, die aus der Getränkeindustrie heute gar nicht mehr wegzudenken sind?

Flaschenverschlüsse und –stöpsel gibt es bereits seit langer Zeit in unzähligen Variationen und Materialien. Angefangen vom Korken mit Metallbügelverschluss bis hin zum Porzellanverschluss – alles war schon dabei. Diese Frühformen waren oftmals jedoch sehr kostspielig in der Produktion oder hielten nicht einmal dem Flaschendruck stand. Nicht selten kam es zudem vor, dass Flüssigkeiten verdarben, insbesondere in Flaschen mit Metallverschlüssen.

Erst als der US-Amerikaner William Painter 1892 sein Konzept eines speziellen Flaschenverschlusses patentieren ließ, schlug die Geburtsstunde des Kronkorkens. Was aber hat es mit dem Namen auf sich? Ganz einfach: Der neuartige Flaschenverschluss bestand aus einem runden Metalldeckel mit kronenförmig gestanztem Rand sowie einem Ring aus Kork im Inneren des Deckels, der das Auslaufen von Flüssigkeiten verhinderte. Und die 24 Zacken am Rand eines jeden Deckels sind dem Kronkorken ja bis jetzt fast (!) geblieben. Sie stellen sicher, dass sich der Druck, der beim Pressvorgang auf den Flaschenhals wirkt, gleichmäßig verteilt, ohne dass die Flasche dabei bricht; was bei den herkömmlichen Flaschenverschlüssen zuvor nicht immer garantiert war. Außerdem war der Kronkorken in der Herstellung um einiges preiswerter als seine Vorgänger. Somit konnte sich Painters Erfindung gegen die bis dato herkömmlichen Bügelverschlüsse durchsetzen – dem Erfolg des Kronkorkens und seines Gründers stand nichts mehr im Weg! Ob sich William Painter wohl damals über das Ausmaß seiner Idee bewusst war?!

Wie dem auch sei, ein Jahr nach seiner Patentierung gründete Painter das Unternehmen Crown Cork and Seal Company, das bis heute als eines der bedeutendsten Produzenten von Kronkorken gilt. Zwar versuchten zeitweise diverse andere Verschlüsse, wie beispielsweise Dreh- oder Schraubverschlüsse dem Kronkorken entgegenzutreten, ernsthafte Konkurrenz hatte der Kronkorken, mit Ausnahme von einigen Bügelverschlussliebhabern, bis heute allerdings nicht zu befürchten. Abgesehen davon, dass der Kronkorken so wie wir ihn heute kennen nur noch 21 Zacken besitzt, hat sich an seiner ursprünglichen Form nicht viel verändert.

Heutzutage ist der Kronkorken in den verschiedensten Bereichen anzutreffen. Nicht nur als Teil eines Schmuckstücks kann sich die Erfindung Painters absolut sehen lassen. Der Kronkorken hält mittlerweile auch schon Einzug in die Spielindustrie, z.B. als Ersatz von Spielsteinen bei Brettspielen wie Dame oder Mühle. Als Objekt von Kunstwerken, als einfacher Sammelgegenstand von Kronkorkenliebhabern oder gar als Eierbecher – der Kronkorken ist längst nicht mehr nur in der Abfüllindustrie präsent! Ein echter Allrounder also!

Wussten Sie übrigens, dass man Kronkorken im 19. Jahrhundert auch als „Schlafmützen“ bezeichnete? Wenn man einmal genauer hinsieht, stellt man fest, dass die Schlafmützen einen gezackten Schnitt haben und mit den Kronkorken in dieser Hinsicht etwas gemeinsam haben. Das dürfte dann wohl auch der Grund für diesen ehrenvollen Titel sein, den Kronkorken seither tragen. 🙂

Share on Pinterest
Kommentieren

Alle mit (*) markierten Felder sind Pflichtfelder und müssen ausgefüllt werden.