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Die Hopfung stirbt zuletzt!

In Bayern geboren und aufgewachsen, war Bier für mich schon immer allgegenwärtig. Ob bei diversen Dorf- oder Volksfesten, im Biergarten oder im Wirtshaus, beim Weggehen oder beim Weißwurstfrühstück – Bier ist in Bayern nicht wegzudenken. Zu keiner Tages- und Jahreszeit.

Und genau hier liegt der Ursprung meines Problems: Bier war schon immer da und wie das manchmal halt so ist, hinterfragt man die offensichtlichen Dinge nicht.

Obwohl ich in einer Brauerfamilie groß geworden bin und auf diesem Wege ein gewisses Bier-Grundwissen mitbekommen habe, war ich mit meinem Latein, was den Brauprozess als solchen angeht, doch recht schnell am Ende. Aber damit ist jetzt Schluss! Ansprechpartner habe ich ja schließlich genug. Und genau deshalb habe ich meiner Brau-Unwissenheit den Kampf erklärt! Das Ergebnis? Veni, vidi, vici!

Ok, das ist vielleicht etwas übertrieben. Aber zumindest weiß ich jetzt oberflächlich, wie das mit dem Brauen funktioniert. Und damit auch ihr bei der nächsten Gelegenheit mit Nerd-Wissen glänzen könnt, teile ich meine geistige Errungenschaft hier mit euch!

Es folgt: Brauen kinderleicht erklärt!

Am Anfang des Brauprozesses wird das Malz in einer Schrotmühle gemahlen. Das entstandene Malzschrot wird im Maischbottich mit Wasser zur sogenannten Maische vermischt und dann erhitzt. Der Sinn dahinter? Die natürlichen Enzyme der Malzkörner wandeln die wasserunlösliche Stärke des Getreides in löslichen Malzzucker um. Während dieser Phase des Brauprozesses gehen die für das Brauen wichtigen Stoffe des Malzes in die Lösung über.

Auftritt Läuterbottich. In ihm werden die festen Bestandteile der Maische von der Flüssigkeit getrennt. Im Brauermund ist hierbei die Rede vom Treber (das sind vor allem die Hüllen der Getreidekörner) und der Würze. In der Würze sind alle löslichen Stoffe des Malzkornes enthalten. Diese fließt nun aus dem Läuterbottich ab und gelangt mit ihren wertvollen Inhaltsstoffen in die Würzepfanne. Das Nebenprodukt Malztreber wird aber nicht weggeworfen, sondern findet zum Beispiel Verwendung als natürliches Tierfutter.

Als nächsten Schritt wird nun Hopfen zur flüssigen Würze hinzugegeben und etwa eine Stunde gekocht. Das geschieht in der Würzepfanne. Je mehr Hopfen der Brauer zugibt, umso herber schmeckt das Bier später. Die eingesetzten Hopfen sind je nach Biertyp Aroma- oder Bitterhopfen.

Im Anschluss werden im Whirlpool (ja, das heißt wirklich so) die noch verbliebenen Trübstoffe aus der Lösung entfernt. Im Würzekühler wird die Würze anschließend heruntergekühlt, bevor die Hefe hinzugegeben wird. Die Gärung beginnt.

Im Gärtank hat die Hefe dann ihren Auftritt: Sie wandelt den Malzzucker, der zuvor in der Würze gelöst wurde, in Kohlensäure und Alkohol um. Wichtig ist hierbei, welche Hefe verwendet wird. Je nachdem, ob ober- oder untergärige Hefe, entsteht ein ober- oder untergäriges Bier. Dieses Thema jedoch genauer zu erklären, bietet genug Inhalt für einen eigenen Artikel!

Hat die Hefe ihren Part erfüllt, wird sie abgezogen. Und tadaa: Fertig ist das „Jungbier“! Vor der Abfüllung darf das Bier aber noch ein bisschen ruhen! Je nach Biertyp kann dieses „bisschen“ bis zu drei Monate dauern.

Ruhen muss da Bier aus drei Gründen:

  1. 1. Der Geschmack des Bieres rundet sich ab. Der übrig gebliebene Restzucker wird fast komplett abgebaut und unerwünschte Aromastoffe ausgetrieben.
  2. 2. Die Kohlensäure wird gebunden und gibt dem Jungbier seine Spritzigkeit.
  3. 3. Die restliche Hefe und die Eiweißflocken setzen sich auf dem Boden ab und das Bier wird klar.

Nach der Lagerruhe wird das Bier nochmal richtig „aufgemischt“. Die folgende Filtration dient dazu, dass bei klaren Bieren die letzte verbliebene und noch in der Schwebe befindliche Hefe und andere Trübstoffe entfernt werden.

Last but not least wird das Bier in Flaschen, Fässer oder Dosen abgefüllt!

Ihr seht, so kompliziert ist die ganze Angelegenheit eigentlich gar nicht! Auf das Nötigste heruntergebrochen, ist so ein Brauprozess wider Erwarten wirklich leicht und ohne großes Hintergrundwissen zu verstehen. Geht also weiterhin neugierig durch die Welt und hinterfragt die Dinge, die euch interessieren, auch wenn ihr anfangs denkt „Ach, das ist mir viel zu kompliziert“! Die Hopfung stirbt schließlich zuletzt 😉

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