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Bier-Kulinarik für Fortgeschrittene

Letzte Woche habe ich euch meine Bekannte Clarissa vorgestellt, die als Hobby-Brauerin und ausgebildete Biersommelière in kulinarischer Hinsicht sehr experimentierfreudig ist. Ihre Experimente (vor allem die erfolgreichen) stellt sie regelmäßig der breiten Öffentlichkeit auf ihrem Blog zur Verfügung. Und ihre Liebe zum Bier kommt auch beim Kochen nicht zu kurz. Die Verbindung aus Bier und Kulinarik reizt die Münchnerin besonders. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit sind ihre Rezepte komplett vegan und sie verarbeitet darin auch Überbleibsel vom Brauen – seien es die Bierrohstoffe selbst oder Treber. Bei unserem Gespräch hat sie mir erzählt, welche Tipps und Rezepte ihre Favoriten sind – und die möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten.

Kochen mit Bier ist (gerade in der bayerischen Küche) oft sehr fleischlastig – es macht sich ja auch wirklich gut in der Schweinebratensoße. Dabei ist Bier noch viel vielseitiger. Einige Rezepte haben wir euch auch schon hier auf dem Blog vorgestellt. Clarissas absoluter Favorit ist ihr Schoko-Dunkelbierkuchen: Man nehme ein Porter oder Stout, Mehl, Zucker, Kakaopulver und Pflanzenöl und kurz darauf ist der geschmackvolle Kuchen serviert. Und durch das Bier ist der auch besonders saftig und würzig. Einer von Clarissas herzhaften Lieblingen ist ihr Jackfruit-Dunkelbier-Gulasch, durch die faserige Struktur ersetzt die Jackfruit das Fleisch und das Bier sorgt dabei für röstige und malzige Aromen. Um zurück zur bayerischen Küche zu kommen, auch die funktioniert vegan mit Bier – bei Clarissa in Form eines veganen Obazdn, der ebenso zu ihren Favoriten in Sachen Bier-Kulinarik gehört.

Beim Kauf der Rohstoffe, die Clarissa zum Brauen benötigt, achtet sie besonders auf die Qualität und die Nachhaltigkeit. Und wenn man solch wertvolle, spezielle Rohstoffe schon zu Hause hat – warum nicht mit denen auch kochen? Daraus kreiert die Hobby-Brauerin beispielsweise süße Versuchungen: „Ich habe schon öfter frisches Weizenmalz wie gebrannte Malzkörner karamellisiert. Die karamellisierten Weizenmalzkörner verwende ich dann bei Desserts“. Bald darf man sich bestimmt auch auf die kulinarische Verwertung von Hopfen freuen. Daran probiert sich Clarissa nämlich gerade aus – und ich bin mir sicher, sie wird bald zu einer neuen Kreation kommen. Oder vielleicht hat ja einer von euch schon eine Idee? Dann kommentiert gerne!

Und was wirklich jeder (Hobby-)Brauer kennt: Das junge Bier blubbert im Gärfass schon fröhlich vor sich hin – übrig bleibt aber noch kiloweise Treber. Wegwerfen ist für Clarissa natürlich keine Option. „Das wäre viel zu schade, da ist einfach noch so viel Gutes drin!“. Wie viele andere bäckt sie daraus teilweise ganz klassisch Brot, aber sie hat auch schon eine ganz eigene Kreation für gut befunden und veröffentlicht: Treber-Kokos-Kekse. „Für mich ist das bisher eine der besten Verarbeitungsmethoden. Dadurch, dass man die Kekse ähnlich wie Haferkekse sehr knusprig backen kann, stören die Fasern des Trebers überhaupt nicht. Und wenn man beispielsweise Haferflocken hinzufügt, kann man nach demselben Rezept auch ein crunchiges Müsli machen.“ Oftmals reichen natürlich auch die Rezepte nicht aus, um die circa kiloweise Treberreste komplett zu verarbeiten. Den Rest gibt Clarissa dann den Pferden eines Bekannten. Auch für die paar Liter Hefe, die Clarissa nach der Gärung noch zur Verfügung hat, hat sie für sich eine gute, diesmal aber eher kosmetische Möglichkeit zur Weiterverarbeitung gefunden –  nämlich eine Gesichtsmaske: „Ich mische die geerntete Bierhefe mit Heilerde – und so entsteht eine Paste, die man gut auftragen und trocknen lassen kann“.

Ob also Kochen mit Bier, Brauresten oder Bierrohstoffen – wie Clarissa beweist, ist alles möglich. Und gerade diese Vielseitigkeit ist es auch, die Bier für sie so besonders macht: „Dass man mit so wenigen Zutaten eine so große Bandbreite an Sorten, Geschmäckern und Bierstilen brauen kann. Es gibt einfach so viele Bierstile, man wird nie fertig, sich damit durchzuprobieren.“ Kann man schöner aufhören als mit dieser Liebeserklärung? Ich glaube nicht. In diesem Sinne, bis bald!

Wobei eine nicht ganz unwichtige, hilfreiche Info muss ich euch doch noch geben: Wer neugierig auf Clarissas Rezepte ist, kann sich auf ihrem Blog umschauen. Und all das, was mit Bier und Brauen zu tun hat, dokumentiert sie außerdem auf ihrem Instagram-Profil. Sie hat mir auch einiges über ihre zukünftigen Pläne und Projekte erzählt und eines sei verraten: Es lohnt sich, dran zu bleiben!

Foto: Lena Graef

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