3 Min. Lesezeit Mit Wettbewerb(ern) dem Fortschritt entgegen

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Mit Wettbewerb(ern) dem Fortschritt entgegen Technologie | | 13.04.2015 3 Min. Lesezeit

Fachlicher Austausch unter Konkurrenten. Direkte Wettbewerber gemeinsam an einem Tisch. Und dabei konstruktive Zusammenarbeit und ein gemeinsames Ziel – hört sich äußerst unwahrscheinlich an? Ist aber dennoch der Normalzustand in der Arbeit der International Society of Beverage Technologists, kurz ISBT.

Denn in dieser Organisation kooperieren Spezialisten der verschiedensten Gebiete der Getränketechnologie mit einem klaren Ziel: Technisches und wissenschaftliches Wissen auszutauschen und so den bestmöglichen Fortschritt zu erzielen. Und an Wissen kommt so einiges zusammen, wenn sich die über 1000 Mitglieder weltweit zusammenschließen! Prinzipiell kann sich jeder um eine Mitgliedschaft bewerben, der in Wissenschaft, Technologie oder Produktion des alkoholfreien Getränkemarktes tätig ist, oder aber bei einem technischen Zulieferer der Getränkeindustrie arbeitet.

Zacharias

Und einer, der dieses Kriterium definitiv erfüllt, ist Dr. Jörg Zacharias von der Krones AG. Bereits seit 2005 ist er ein Kronese und ist hier im Bereich F&E Prozesstechnik für Bier, Wasser, Milch und Saft tätig. Als Spezialist auf dem Gebiet Rheologie und Verfahrenstechnik ist er in seiner Rolle als Krones Experte aktives Mitglied der ISBT. Und „aktiv“ ist dabei weit mehr als nur ein beschönigendes Adjektiv. Denn Zacharias ist nicht nur einfaches Mitglied, er ist außerdem Vorsitzender des Ausschusses „Sampling“ im technischen Komitee für „Beverage Operations and Processing“ *. Dieser Ausschuss wurde 2013 unter der Leitung des Kronesen gegründet und ist in der Entwicklung von normativen Richtlinien tätig. Mittlerweile hat sich die Gruppe etabliert und 2014 mit der Veröffentlichung der „Inclusion Sampling Guideline“ ihre Produktivität bewiesen: Mitglieder verschiedener großer Unternehmen der Getränkeindustrie haben sich zusammengesetzt und einen Bericht über die Thematik der Probenentnahme und –analyse verfasst.

 

Im erarbeiteten Leitfaden betonen die Spezialisten, dass Analyse und Prozessvalidierung stark an Bedeutung gewonnen haben, seitdem immer mehr Getränke mit festen Bestandteilen auf den Markt kommen. So stellen beispielsweise Fruchtstückchen die Hersteller von Säften vor neue Herausforderungen, wenn es darum geht die Prozessfähigkeit zu gewährleisten. Und genau hier setzt die Richtlinie an: Sie enthält Begrenzungen, Nennwerte und Anhaltspunkte, um die Maße der Feststoffe zu messen. Als solche Feststoffe sehen die ISBT Spezialisten alle festen, sichtbaren Stückchen mit einer Größe über 2mm, die dem Konsumenten beim Trinken auffallen – er also beispielsweise kauen muss.

Die Richtlinie unterteilt die Stückchen je nach Größe und Charakter in verschiedene Kategorien und listet die verschiedenartigen Teile spezifisch auf. Beispielsweise unterscheidet das Gremium zwischen gewürfelten („cubes“) und zerstoßenen („crushed“) Fruchtstückchen und gibt dabei gleich konkrete Obstsorten als Beispiele. Allgemein geht es im Leitfaden also gar nicht so sehr um die Verarbeitung von Getränken an sich – viel mehr geht es Zacharias und seinen Kollegen darum zu zeigen, warum Messungen notwendig sind und welche Vorteile sie bieten können. Und weil die Bandbreite der Mitwirkenden so groß ist – neben Vertretern der Krones AG sind beispielsweise auch Mitarbeiter der Coca-Cola Company sowie von PepsiCo International und den Firmen Sidel und Tetra Pak beteiligt – werden in der Richtlinie die verschiedensten Blickwinkel berücksichtigt. Vom Rohstoffproduzenten über den Anlagenbauer bis zur eigentlichen Getränkeindustrie sind alle vertreten. Und dementsprechend vielseitig wird die Richtlinie dann auch weltweit von verschiedensten Unternehmen und Gesellschaften umgesetzt. Wer dabei an teure, hochtechnische Messmethoden für umsatzstarke Unternehmen denkt, der schätzt die Arbeit der ISBT falsch ein: Grundlage der Messmethoden ist schlichtes Sieben. Und damit ist der Geräteaufwand erstaunlich gering und für jede Produktionsstätte weltweit tragbar. In einer ersten Methode wird die Gesamtmenge der enthaltenen Stückchen gemessen. Der Leitfaden erklärt dabei sehr anschaulich und leicht verständlich, wie die Messung Schritt für Schritt durchgeführt wird. In einer zweiten Methode beschreibt die ISBT Richtlinie wie analysiert wird, in welcher Größenverteilung Fruchtstückchen enthalten sind. Auch dabei kommen hauptsächlich aufeinander gestapelte Siebe mit verschiedenen Maschenweiten zum Einsatz.

Aber mit der Erstellung dieser ersten Version des Leitfadens ist die Arbeit des ISBT Ausschusses noch lange nicht vorbei! Zacharias betont, dass diese erste Ausgabe nur die Basis ist für zukünftige Erweiterungen und man bereits an zusätzlichen Anleitungen arbeitet. Und bei so vielen Spezialisten an einem Tisch kann man getrost davon ausgehen, dass das Ergebnis auf dem Markt weder unbemerkt noch ungenutzt bleibt.

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