4 Min. Lesezeit Die Zukunft abgefüllten Wassers

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Die Zukunft abgefüllten Wassers Technologie | | 08.02.2016 4 Min. Lesezeit

Wir werden mehr. Wir werden älter. Und wir wohnen immer mehr in Städten. Die Entwicklung der Bevölkerungsstruktur wird sich auf alle Bereiche unseres Lebens auswirken. Unter anderem auch auf den Umgang mit einem lebensnotwendigen Konsumgut: Trinkwasser.

Die Weltbevölkerung der Zukunft ist zahlreicher, älter – und lebt in der Stadt

Momentan leben circa 7,2 Milliarden Menschen auf der Erde. Statista sagt: 2050 sind wir 9,55 Milliarden. Gleichzeitig wird aber die weltweite Geburtenrate sinken. Wie passt das zusammen? Ganz einfach: Die Gesellschaft altert. Im Jahr 2050 soll es dreimal so viele über 60-Jährige wie jetzt geben, in den Industrieländern sollen auf jedes Kind zwei über 60-Jährige kommen. Und der Grad der Urbanisierung nimmt in Zukunft noch weiter zu: Momentan leben laut den UN 54 % der Menschen in Städten, 2050 sollen es circa 66 % sein.

Die natürlichen Ressourcen werden knapp

Wir verbrauchen mehr natürliche Ressourcen, als sich regenerieren können. Das betrifft die Ressourcen zur Energieherstellung oder Materialproduktion ebenso wie die Ressource Trinkwasser. Die Wasservorräte verschmutzen zunehmend, die Grundwasserreserven schrumpfen. Circa 10 Prozent der Weltbevölkerung sind bereits jetzt ohne Zugang zu guter Wasserversorgung. 2050 werden über 40 Prozent der Weltbevölkerung in Gebieten mit starkem Wasserstress leben. Der globale Wasserbedarf wird bis dahin voraussichtlich um 55 Prozent steigen. Dies alles wird sich auch auf den Konsum abgefüllten Wassers auswirken.

Außerdem produzieren mehr Menschen mehr CO2. Die Lösung des Klimawandel-Problems wird dringlicher. Wir stehen also vor großen Herausforderungen – wie kann unsere Branche ihnen begegnen? Die Maximen Einsatz erneuerbarer Energie, Energieeffizienzsteigerung und Materialeinsparungen bedeuten für die Getränkeindustrie konkret: leichtere Flaschen, energieeffiziente Produktion, neue Verpackungsmaterialien.

Die Getränkeverpackung der Zukunft: nachhaltig, funktional, ökonomisch

Bislang gibt es die perfekte Verpackung nicht. Jedes Material hat Vor- und Nachteile. PET ist leicht, bruchsicher, recycelbar und durchsichtig. Allerdings sind die Barriere-Eigenschaften von PET nicht so gut wie bei anderen Verpackungen. Glas ist zu 100 Prozent wiederverwertbar und inert, aber nicht bruchsicher und das höhere Gewicht schlägt sich in Transportkosten und somit auch -emissionen nieder. Auf dem Vormarsch ist die Dose. Sie ist unendlich recycelbar, sehr leicht, hat gute Barriere-Eigenschaften und ist schnell zu kühlen. Dafür ist sie ist momentan jedoch noch nicht wiederverschließbar und nicht durchsichtig. In Deutschland werden 47 % des Mineralwassers in Einweg PET, 24 % in Mehrweg Glas und fast 20 % in Mehrweg PET verpackt.

Konventionell, aber sparsamer: Lightweighting und minimale Sekundärverpackung

Die Getränkeverpackung der Zukunft soll nachhaltig, funktional und ökonomisch sein. Eine Lösung dafür soll Lightweighting sein.

In den letzten 20 Jahren ist es gelungen, das Gewicht von Glas um 40 Prozent und das von Dosen um 50 Prozent zu reduzieren. Bei PET liegt die momentane Untergrenze bei 10 Gramm für eine 500-ml-Flasche für karbonisierte und bei 6,6 Gramm für nicht karbonisierte Getränke. Begrenzt wird Lightweighting durch die Akzeptanz des Kunden, die Stabilität sowie die Barriere- und Transporteigenschaften. Auch an einer reduzierten Sekundärverpackung wird ständig getüftelt, zum Beispiel werden nun auch Gebindeumreifungen statt Einschweißfolien benutzt (Krones Evolite).

Alternativ: Biobasierte Kunststoffe

Polylactide (PLA) werden bereits vielfach als biologisch abbaubarer Ersatz für konventionelle Kunststoffe benutzt. Als Material für Getränkebehälter sind sie jedoch momentan aufgrund ihrer höheren CO2-, Sauerstoff- und Feuchte-Durchlässigkeit sowie ihrer starken Absorption von UV-Strahlung weniger geeignet und stören außerdem im PET-Recycling.

Bei der „Plant Bottle“ basiert aktuell nur das Monoethylenglycol (MEG) auf Zuckerrohr, das heißt 30 Prozent des Materials sind biobasiert. Die restlichen 70 Prozent TA (Terephthalsäure) sind konventionell aus Erdöl hergestellt. Die plant bottle spart knappe Ressourcen und kann ganz normal recycelt werden, ist aber nicht biologisch abbaubar, da das so hergestellte PET chemisch identisch zu erdölbasiertem ist.
Geforscht wird an dem Kunststoff Polyethylen-Furanoate (PEF), einer Weiterentwicklung der Plant Bottle, bei dem auch der Furandicarbonseäureanteil aus pflanzlichen Stoffen (2,5 Furandicarbonsäure) gewonnen wird.

Müllvermeidung durch Recycling

Welche Verpackung schlussendlich die umweltfreundlichste ist, hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem von dem Energieverbrauch bei Herstellung, der Recycelbarkeit des Materials und– ganz wichtig – den Transportwegen und somit auch dem Gewicht. Prinzipiell verbraucht die Herstellung von Behältern aus Altmaterial viel weniger Energie als eine Neuproduktion, z.B. bei Getränkedosen 95%, bei PET über 50%, bei Glas 30% weniger. Mehrwegflaschen schneiden in der Gesamt-Ökobilanz besser ab als Einwegflaschen. Ob Mehrweg Glas oder Mehrweg PET umweltfreundlicher ist, hängt mit den Transportwegen zusammen: Je länger die Wege, die die Flasche zurücklegt, desto mehr spielt das Gewicht der Flasche eine große Rolle für den Energieverbrauch. Aus diesem Grund liegt hier häufig die PET-Flasche vorne.

Wie können die Unternehmen den Herausforderungen begegnen?

Unternehmer werden sich immer mehr Gedanken um ihren Energieverbrauch machen müssen. Einige Unternehmen setzen bereits auf eigene Energiequellen, die am Ort des Verbrauchs produzieren und somit Verluste minimieren (BHKWs und ähnliches). Bei der Neuanschaffung von Abfüllanlagen ist auf moderne, effiziente Maschinentechnologie und Systeme, die z.B. an der enviro Klassifizierung zu erkennen sind, zu achten und auch Überholungen sollten unter den Gesichtspunkten der Energieeffizienz und Medieneinsparungen durchgeführt werden. Dies spart nicht nur Ressourcen, sondern auch laufende Kosten. Einsparmöglichkeiten gibt es viele, ob Mehrfachnutzung von Wärme und Medien (Stichwort Wärmepumpen oder –schaukeln), ob „Blocken“ von verschiedenen Einzelmaschinen zur Reduktion von Transportstrecken oder Einsparungen bei den Maschinen selbst: Hohe Wirkungsgrade, optimale Auslegung und vorbeugende Instandhaltung halten den Verbrauch niedrig. Überwachungssysteme zeigen frühzeitig Handlungsbedarf auf. Doch auch beim Materialeinsatz kann einiges getan werden. Reduktion und Optimierung des Materials, umweltverträgliche Einsatzstoffe sowie durchdachte Recyclingkonzepte helfen, unseren Planeten lebenswert zu erhalten. Wer in Energie- und Materialeinsparung investiert, wird zunehmend auch ökonomisch davon profitieren. Und genießt einen Vertrauensvorschuss bei seinen Kunden, die immer umweltbewusster denken – und einkaufen.

 

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