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Wie in Deutschland – nur kleiner Menschen | | 28.05.2014 4 Min. Lesezeit

„Auch über 2000 Kilometer entfernt bleibt Krones Krones.“ Dessen ist sich Stefanie Rolfsmeier bewusst geworden. Als Teilnehmerin am internationalen Austauschprogramm „Across Borders“ ist sie ein halbes Jahr lang, noch bis Ende Juni, in der Moskauer Krones-Niederlassung. Wir haben sie nach den Unterschieden und Besonderheiten ihres Arbeitslebens dort gefragt.

Was ist der größte Unterschied zwischen Krones in Neutraubling und in Moskau?

Die Größe. Während Krones in Neutraubling mehrere 1000 Mitarbeiter beschäftigt, sind es in Moskau nur knapp 60. Vertrieb, Service, Buchhaltung – alle sitzen nah beieinander und jeder kennt jeden.

Wie unterstützen Sie das Team in Moskau?

In Neutraubling bin ich in der Personalentwicklung (PMuS), tätig. Dort betreue ich unter anderem das Kompetenzmanagement für verschiedene Fachbereiche, konzipiere und organisiere Seminare. Hier in Moskau gibt es keine eigene Personalabteilung, deshalb ist mein Einsatzgebiet hier noch vielfältiger: Meine Hauptaufgabe ist es, die Generaldirektorin und die anderen Führungskräfte bei den Personalthemen zu unterstützen, das heißt ich steuere das Recruiting, plane Trainings, leite Workshops. Gemeinsam führen wir die Job-Interviews mit Kandidaten.

Was ist für Sie die größte Herausforderung?

Da ich schon während meines Studiums Russisch gelernt habe, habe ich mit den Kollegen hier von Anfang an fast nur Russisch gesprochen. Das ist natürlich eine hervorragende Gelegenheit, mehr Praxis zu bekommen, kann aber auch sehr fordernd sein. Trotz aller Mühe passieren mir manchmal noch sprachliche Fauxpas. Einmal wollte ich nach einem Interview den russischen Kollegen vorschlagen, dem Bewerber ein konkretes Job-Angebot zu machen. „Angebot“ übersetzt man ins Russische mit „predlozhenie“… nur kann das je nach Situation auch „Antrag“ bedeuten. Für meine Moskauer Kollegen klang das dann, als ob ich dem Bewerber einen Heiratsantrag machen wolle. Zum Glück nahmen es alle mit Humor.

Außerdem musste ich mich erstmal an das unterschiedliche Zeitmanagement gewöhnen. Während in Deutschland alle Besprechungen schon lange im Voraus geplant werden, ist man in Russland spontan. Hier funktioniert es ganz gut, dass man einfach bei jemandem im Büro vorbei schaut, um etwas zu besprechen. Passt es gerade nicht, kommt man eben später wieder. Schwierig wird es, wenn beide Arbeitswelten aufeinandertreffen. Nach einigen Versuchen hatte eine russische Kollegin endlich einmal Zeit für mich. Das Gespräch entwickelte sich dann so intensiv, dass ich mich kaum losreißen konnte. Dabei wartete eine Telefonkonferenz mit Neutraubling, die natürlich schon lange im Outlook stand. Es war schwierig, da keine Seite zu vergrämen.

Was war denn Ihr ungewöhnlichstes Erlebnis in der Arbeit?

Ich hatte die Führungskräfte zu einem Workshop zum Thema Personalentwicklung eingeladen. Alle kamen und erklärten mir zu Beginn, sie seien jetzt sehr gespannt darauf, was ich ihnen zu erzählen habe. Da habe ich mich erschrocken, denn „Workshop“ bedeutet für mich, dass ich die Moderatorin bin, die Diskussion leite, Themen zusammenfasse usw., aber der Input von der Gruppe kommt. Zum Glück haben sich die russischen Führungskräfte auf „mein Experiment“, wie sie es nannten, eingelassen.

Und ist das Experiment gelungen?

Ja, die Kollegen waren sehr offen für diese ungewöhnliche Arbeitsweise und es war schön zu beobachten, wie unter ihnen die Diskussion ins Rollen kam.

Wie ist das Arbeitsklima an ihrem „neuen“ Arbeitsplatz?

Die oft sehr lange Betriebszugehörigkeit ist eine wirkliche Besonderheit des Moskauer Offices. Manche Kollegen sind schon seit der Gründung der Niederlassung dabei. Da sich alle gut kennen, werden natürlich Geburtstage, lange Betriebszugehörigkeit, die Geburt eines Kindes oder auch die wichtigen nationalen Feiertage gemeinsam gefeiert. Am 23. Februar zum Beispiel feierten wir den Männertag, am 8. März den Weltfrauentag. Dabei richtete das jeweils andere Geschlecht ein Mittagsbuffet aus.

Leider ist es aber ganz selten, dass wir nach der Arbeit noch etwas gemeinsam unternehmen. Das liegt vor allem am fordernden Moskauer Alltag. Manche meiner russischen Kollegen haben nach einem langen Arbeitstag noch eine zweistündige Heimfahrt vor sich haben. Verantwortlich dafür ist der berühmt- berüchtigte Moskauer Stau. Im Moskauer Office sind außerdem vergleichsweise viele Frauen tätig, die, auch wenn sie Kinder haben, Vollzeit arbeiten. Teilzeit-Modelle für Eltern sind in Russland kaum verbreitet und so warten abends noch Kinder und Haushalt …

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Wie empfinden Sie selbst Moskau?

Das Gesicht der Stadt verändert sich ständig, es gibt immer etwas Neues, überall wird gebaut. Seit ich vor einigen Jahren während meines Studiums in Moskau war, ist zum Beispiel „Moscow City“, ein ganzes Viertel aus Wolkenkratzern, neu entstanden. Die Verkehrssituation ist zwar nach wie vor problematisch, aber es wandelt sich vieles zum Besseren, das sagen auch die Moskowiter selbst. Verkehrsstraßen im Zentrum wurden in Fußgängerzonen umgewandelt, am Ufer der Moskva wurden Radwege angelegt und in die Pflege der zahlreichen Parks wird viel investiert. Dadurch steigt die Lebensqualität enorm.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Ich habe zwei ganz unterschiedliche Lieblingsplätze hier. Der eine ist eine Bar im 13. Stock eines prunkvollen Hochhauses aus der Sowjetzeit. Den Blick über die ganze Stadt zeige ich besonders gern meiner Familie oder meinen Freunden, die mich hier besucht haben. Mein anderer Lieblingsplatz ist der Gorki-Park. Im Winter wurden die Spazierwege geflutet. Es entstand eine der größten und märchenhaftesten Eisflächen Europas. Jetzt im Sommer erobert die alternative Jugend den Park, sogar – gar nicht dem gängigen Russlandbild entsprechend – Mädchen in Jeans, Chucks und mit Skateboard sieht man hier. Es spielen Musikbands und es gibt ein Freiluftkino. In den Hängematten kann man nach Feierabend wunderbar entspannen. Die asphaltierten Wege eignen sich ideal für Fahrräder, Inliner, Skateboards, Roller. Ich habe mir auch schon so einen Tretroller zugelegt!

Ihr Fazit – was macht Krones Moskau aus?

So sehr unterscheidet sich Krones Moskau gar nicht von Neutraubling. Das Wichtigste: Auch in Moskau sind die Kollegen unheimlich stolz auf die Krones-Technik und versuchen, für den Kunden alles möglich zu machen. Besonders bewusst geworden ist mir das, als ich für die Kollegen am Wochenende eine Exkursion zu einem unserer Kunden, einer Moskauer Brauerei, organisiert habe. Gerade die Kollegen aus der Buchhaltung, die ja sonst mit der Technik kaum in Berührung kommen, waren fasziniert, die Krones Anlagen einmal life zu sehen.

 

 

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