3 Min. Lesezeit Oktoberfestbedienung - viel Spaß, gutes Geld und harte Arbeit

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Oktoberfestbedienung – viel Spaß, gutes Geld und harte Arbeit Menschen | | 16.10.2014 3 Min. Lesezeit

Haben Sie schon mal zwölf 1-Liter-Packerl Milch durch die Gegend geschleppt? Nadine Maier schon. Also theoretisch. Praktisch wuchtet sie im Schnitt sechs volle Maßkrüge durch Menschenmassen. Stundenlang. Tagelang. Nadine studiert Slavistik, macht ein Praktikum bei der Krones AG und war Bedienung auf dem Oktoberfest.

Ein Maßkrug wiegt mehr als ein Kilo, plus Inhalt über zwei. „Maximal schaffe ich zehn volle Wiesnkrüge“, sagt die 34-Jährige. Wichtiger sei aber wie lange der Weg und wie betrunken der Gegenverkehr ist. Dieses Jahr bediente sie zum achten Mal auf dem Oktoberfest. Zur Wiesn kam sie über ihre Tante die selbst Bedienung im Festzelt war. Damals versorgte Nadine die Gäste als Verkäuferin mit Brezen. Zwei Jahre später bildete sie mit ihrer Tante ein Bedienungsgespann. Statt Brezen bringt sie jetzt Bier und Brotzeiten an die Tische.

Umsatzbeteiligung plus Trinkgeld

Hauptsächlich ist die Zeit auf der Theresienwiese eine „Pause vom Alltag“ für die Regensburger Studentin. Klar, nicht jeder Tag ist gleich, nicht jede Minute im stressigen Job schön. Im Großen und Ganzen sei der Umgang mit den unterschiedlichen Menschen und die körperliche Anstrengung aber ein großer Spaß. Auch der Umgang der Kollegen untereinander ist während der 16 Wiesntage ein ganz besonderer. Egal ob eine andere Bedienung für freie Bahn sorgt oder drei Maß Bier hinterherträgt – man schaut aufeinander. Nach Feierabend werden dann beim gemeinsamen Absacker und bei Gesprächen über den Tag Freundschaften geschlossen.

Wiesnfakten_neu

Knapp zehn Prozent plus Trinkgeld gibt es pro Maß für die Bedienungen. Das macht bei einem Literpreis von etwas über neun Euro 89 Cent, die in die eigene Tasche wandern. „Der gute Verdienst ist eine zusätzliche Motivation. In meiner Studienzeit kann ich mir so doch einiges leisten, auf das ich sonst verzichten müsste“, sagt die gebürtige Chiemgauerin. Ein Arbeitstag beginnt je nach Schicht um 9:30 oder 15 Uhr, an Feiertagen geht es um 8:30 Uhr los. Ein Ende ist erst dann in Sicht, wenn im Bierzelt die Lichter ausgehen. Schön zu wissen: Auf dem Oktoberfest wurden 2014 6,5 Millionen Maß Bier verkauft.

Der trommelnde Abräumer und der Ring im Bier

Der Lohn für die harte Arbeit sind neben dem Verdienst die vielen kuriosen und witzigen Geschichten. Fliegende halbe Hendl, Heiratsanträge und Nackerte gehören zu den langweiligeren. Ein Ehering im Maßkrug nicht. Den hat nämlich ein frisch verheirateter Ehemann im Noagerl versenkt. Am nächsten Tag kam er völlig aufgelöst zu seinem Platz zurück und fragte die Bedienungen, ob sie einen Ehering gefunden hätten. Nach dem „Ja“ kullerte dem Ehemann dann eine Träne über die Wange. „Das war schon eine sehr rührende Szene“, erinnert sich Nadine. Ebenfalls in bester Erinnerung blieb ihr der trommelnde Abräumer. Abräumer, das sind die Jungs, die mit einem Blechwagen benutztes Geschirr und Krüge von Wegen und Abräumstationen einsammeln. Als die Band Pause machte, legte einer der Arbeiter los. Er trommelte auf dem Wagen wie wild und lieferte dem begeisterten Publikum eine mitreißende Percussion-Show.

5 Tipps für angehende Oktoberfestbedienungen

Wer sein Geld als Bedienung selbst auf dem Oktoberfest verdienen will, der sollte sich zeitig bewerben. Hier gibt es eine Liste aller Bierzeltbetreiber. „Man bewirbt sich einfach, am besten ein halbes Jahr vor der Wiesn als Zweier-Team, beim jeweiligen Festwirt und mit ein bisschen Glück erhält man einen Vertrag. Ein Auswahlverfahren gibt es genauso wenig wie eine Einarbeitung. Entweder packt man den Arbeitsalltag oder eben nicht. Wenn nicht, rückt jemand von der Warteliste nach“, weiß Nadine. „Dieses Jahr hatten wir zu viert 17 Tische. Das variiert jedoch stark nach Zelt, Platz und sogar innerhalb eines Bereiches. Zu Beginn meiner Laufbahn hatten wir zum Beispiel zu zweit elf Tische. Da ist man aber ganz schön beschäftigt, alle Gäste satt und, wie sagt man, „sitt“ zu kriegen.“

Für diejenigen die es geschafft haben, hat Nadine ein paar gute Ratschläge:

  • Never change a running shoe!
  • Der Geldbeutel bleibt immer am Mann / an der Frau
  • Niemals das Nachschenken einer tatsächlich schlecht eingeschenkten Maß verweigern
  • Mach dir das Leben nicht zusätzlich schwer – das gilt für den Umgang mit Gästen, Kollegen und den Chefs
  • Zuhause Beine hochlegen und vor dem Schlafengehen Magnesium nehmen, das wirkt oft Wunder

 

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