5 Min. Lesezeit Im Weinglas ihrer Majestät

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Im Weinglas ihrer Majestät Menschen | | 07.09.2015 5 Min. Lesezeit

Es ist wieder so weit. Die Temperaturen sinken, die Sonne steht tief und alles riecht herrlich satt nach Herbst. Für Kristin Langmann beginnt sie wieder – die spannendste Zeit des Jahres: die Weinlese. Kristin ist die Fränkische Weinkönigin lebt schon seit der Kindheit mit dem edlen Rebensaft – natürlich hat sie ihn erst in ihrer Jugend gekostet, aber als Tochter eines Winzers wächst man eben mit den Rebstöcken und allem was dazu gehört auf. Wir haben uns mit der schönen Repräsentantin des Frankenweins unterhalten – so als kleine Einstimmung auf die Lese für den Jahrgang 2015. Dabei erfahren wir auch, welcher Tropfen bevorzugt ins Weinglas Ihrer Majestät darf.

Erzählen Sie ein wenig von sich: Wie und warum sind sie Weinkönigin geworden?

Ich stamme aus einer Winzerfamilie. Seit über 50 Jahren sind wir Mitglied in der größten fränkischen Winzergenossenschaft, die GWF (Winzergemeinschaft Franken). Unsere Trauben werden von unserer Winzergemeinschaft in Repperndorf zu Weinen vinifiziert. Somit bin ich mit dem Weinbau und den Reben groß geworden. Zudem war ich zwei Jahre lang Weinprinzessin (2012-2014) vom Weinort Bullenheim, wo unsere Reben stehen. Hier konnte ich erste Erfahrungen als Weinrepräsentantin machen. Es hat sehr viel Freude gemacht, für den Frankenwein unterwegs zu sein und Menschen für unser regionales Produkt zu begeistern. Deshalb hab ich mich für das Amt der Fränkischen Weinkönigin beworben.

Hat eine Weinkönigin mehr Arbeit, wenn es an die Weinlese geht?

Als Fränkische Weinkönigin habe ich rund 400 Termine im Jahr. Somit bin ich viel unterwegs und hab nicht mehr so viel Zeit im Weinberg mit zu helfen. Im Weinberg hat man das ganze Jahr über sehr viel Arbeit. Aber klar, die Weinlese ist das Highlight der Winzer und dies ist der Lohn der Arbeit eines ganzen Jahres. Es ist ein schönes Gefühl, die gesunden und reifen Trauben zu ernten für die man das ganze Jahr über im Weinberg stand.

Quelle: Fränk. Weinbauverband/Daniel Biscan

Haben Sie persönliche Favoriten, wenn es um Wein geht?

Am liebsten trinke ich die Scheurebe. Als Essensbegleiter bevorzuge ich jedoch einen Silvaner.

Was sind die Herausforderungen der fränkischen Weinbauern in der heutigen Zeit?

Derzeit spürt man die Folgen des Klimawandels. Ganz aktuell die Trockenheit. Der Winzer muss hierbei langfristige Strategien entwickeln, damit die Reben keine Trockenschäden erhalten und auch im nächsten Jahr vital sind. Dazu gehört beispielsweise das Installieren einer Bewässerungsanlage. Zudem tragen die Winzer zur ländlichen Entwicklung bei. Durch den Weinbau und die Kulturlandschaft des Weinbaus werden Touristen nach Franken gelockt. Durch Touristen wird die heimische Gastronomie, sowie der örtliche Metzger und Bäcker unterstützt. Es ist anzufügen, dass die Winzer sich stärker um ihre Kunden bemühen müssen. Der heutige Kunde ist anspruchsvoller geworden. Viele Winzer bieten deshalb weitere Dienstleistungen an, wie beispielsweise Heckenstuben, Gästezimmer oder Hotels. Weiterhin müssen die Winzer sich gut im Internet präsentieren. Eine Homepage muss immer gepflegt werden. Der Winzer von heute ist deshalb angehalten, gute Marketingstrategien sich einfallen zu lassen. Denn die Kunden sind neugierig und wollen mehrere Weine probieren und haben – nicht wie früher- nur einen Winzer zu den sie gehen. Zudem sind die Kunden von heute aufgeklärter, sowie wissenshungriger.

Wie denken Sie, dass sie den fränkischen Weinbauern unter die Arme greifen können?

Ich bin jeden Tag für die fränkischen Winzer unterwegs, um auf ihre Weine und unsere Weinregion Franken aufmerksam zu machen. Jede Woche bin ich in München. Leider wissen viele Münchner nicht, dass es in Bayern ein Weinanbaugebiet gibt. Viele trinken lieber Wein aus Österreich. Hier ist es wichtig, die Menschen auf Frankenwein neugierig zu machen und ihnen Lust auf Franken als Reiseziel zu machen. Denn wenn man einmal in Franken war und unsere bezaubernde Kulturlandschaft gesehen hat, wo der Wein wächst, lässt es einen nicht mehr los.

Sie haben viele Termine im Jahr – gibt es Highlights?

Highlights sind es dann für mich, wenn mich etwas emotional berührt. Das kann ein nettes Gespräch sein, unerwartete Begegnungen mit Persönlichkeiten, die eine mitreißende Geschichte zur erzählen haben oder Menschen, die „Großes“ geleistet haben und sich beispielsweise ehrenamtlich für Flüchtlinge einsetzen.

Was ist das stressigste am Job als Weinkönigin?

Stress entsteht bei einem schlechten Zeitmanagement und wenn man mit seinen Ressourcen stetig am Limit ist. Ich fühl mich dann gestresst, wenn unerwartet mein Zeitplan durcheinander gerät und ich mir vorgenommene Aufgaben nicht mehr erledigen kann. Ansonsten verwende ich nicht den Begriff „Stress“, in Verbindung mit dem Amt der Weinkönigin. Ich würde eher von ausgelastet sprechen. Der Begriff „Stress“ ist negativ besetzt und mir macht man Amt sehr viel Spaß und man weiß im Vorfeld, dass bei 400 Terminen die Freizeit knapper wird.

Wie wichtig sind Maschinen für den modernen Weinbau?

Sie erleichtern die Arbeit für den Winzer. Der Winzerberuf ist auch mit körperlicher Anstrengung verbunden. Es ist begrüßenswert, wenn man hier durch Maschinen Abhilfe schaffen kann. Zudem kann er wirtschaftlicher und schneller seine Flächen bearbeiten. Es ist trotzdem anzufügen, dass es immer noch genug Handarbeit gibt und in Steil- und Terrassenlagen es kaum zu Maschineneinsatz kommt. Diese Flächen sind weit zeit- und arbeitsintensiver. Prägen aber natürlich unser einmaliges Landschaftsbild, weshalb die Touristen nach Franken kommen. Deshalb sollte man Winzer, die Mehraufwand für das Bearbeiten von Steil-und Terrassenlagen haben, unterstützen.

Was bedeutet Wein für Sie persönlich?

Es ist trinkbares Kulturgut. Der Weinbau hat eine lange Geschichte und Tradition. Er wuchs immer mit den Hochkulturen (Griechenland, Ägypten, Römer…). Durch das Genießen von Wein, pflegt man einen gewissen Lebensstil. Eine Lebensweise im Zeichen von bewussten Schmecken und Erleben. Zudem trägt der Wein zu mehr Geselligkeit bei. Man spricht hierbei bekanntermaßen von der „Weinseligkeit“. Das Spannende am Wein ist die Vielfalt. Der Boden, auf dem die Rebe wächst prägt den Wein und dessen Charakter. Wein ist das beste Medium, um seine Heimat für andere „schmeckbar“ zu machen. Zudem gehört die Rebenlandschaft zu unserer Region. Die eigene Heimat gibt einen immer das Gefühl von Halt und Geborgenheit und es gibt keine schönere Aufgabe, als für seine Heimat und den hier wachsenden Wein einzutreten. Dies ist letztendlich meine Aufgabe als Weinkönigin.

Wie gleichen Sie den Job als Weinkönigin momentan aus?

Ich versuche Energie aus meinen Terminen herauszuziehen. Dies geschieht durch aufschlussreiche Gespräche, durch neue Inputs und durch die Begegnungen mit Menschen. Weiterhin achte ich auf die Zeichen meines Körpers und schaffe mir meine Ruhephasen. Dies passiert u.a. durch einen ausgiebigen Spaziergang in den Weinbergen.

Quelle: Fränk. Weinbauverband/Daniel Peter

Quelle Titelbild: Fränk. Weinbauverband/Daniel Peter

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