3 Min. Lesezeit „Hopfentrocknen ist Chefsache“

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„Hopfentrocknen ist Chefsache“ Menschen | | 25.09.2015 3 Min. Lesezeit

Der Anblick ist mir ja durchaus bekannt. Sogar so bekannt, dass ich eigentlich gar nicht weiter drüber nachdenke, wenn ich in Richtung München unterwegs bin und durch die grüne Hallertau fahre. Schließlich habe ich die Felder voll hoher, grün bewachsener Stangen schon unzählige Male gesehen und weiß, dass es der Hallertauer Hopfen ist, der sich da seinen Weg nach oben wächst. Ganze sieben Meter streckt sich der Hopfen am Ende des Sommers dem bayerischen Himmel entgegen. Und dann – gerade wenn er dem Himmel am nächsten ist – wird er geerntet. Fast tragisch, wenn es nicht so interessant wäre. Denn interessant ist die Hopfenernte auf jeden Fall, das ist spätestens jetzt klar, nachdem ich mit zwei Kollegen die Ernte auf dem Hopfenhof von Eugen Kirzinger miterleben durfte.

 

Auf dem Hof angekommen, dürfen wir uns einen Eindruck machen von der Halle, in der die Hopfendolden gezupft werden. Da ist erst einmal Lärm. Und Dunkelheit. Dann erkennen unsere Augen allmählich zwei riesige Maschinen – und es wird klar, woher der Lärm kommt. Wer nämlich bei Hopfenzupfen an eine beruhigende, meditative Tätigkeit von Hand denkt, der ist auf dem Hof von Kirzingers falsch. Zwei Mitarbeiter „füttern“ die beiden Erntemaschinen mit den Reben der Hopfenpflanzen, dann wird in den lärmenden Maschinen geschüttelt, gerüttelt und getrennt, bis die Dolden und der unverwertbare Rest der Pflanzen getrennt die Halle verlassen.

Dabei können wir beobachten, dass Traktoren immer wieder Anhängerladungen neuer Hopfenreben anliefern. Und dann sofort wieder hinausfahren, um neue zu holen. Also ab ins Auto und dem nächsten Traktor hinterher. Wir landen in einem Hopfengarten, in dem an diesem Vormittag die Sorte „Hallertauer Mittelfrüh“ geerntet wird: Die Hopfenreben werden unten abgeschnitten, reißen oben an der Stelle, an der der Draht gebogen ist vom Drahtgerüst, und fallen dann schön geordnet und der Länge nach auf den Hänger. Quasi schon fertig bereitgelegt für die Erntemaschinen in der Halle. Damit auch ja nichts verlorengeht, sind zwei Helfer damit beschäftigt alles einzusammeln, was vom Hänger fällt oder am Drahtgerüst hängen bleibt – ruckzuck ist das Feld abgeerntet und schaut richtig „aufgeräumt“ aus.

Wieder auf dem Hof zeigt uns Agnes Kirzinger die beiden Erntemaschinen noch einmal genauer: Die schräg gestellten Förderbänder und die Luftgebläse, die die Hopfendolden von Blättern und Geäst trennen. Und die verzweigten Wege der Bänder, auf denen die Dolden über drei Ebenen hinweg aus den Maschinen in die verschiedenen Trocknungsräume gelangen – und hier, in der Darre, hört die Führung von Agnes Kirzinger auf. Denn „Hopfentrocknen ist Chefsache.“ Also übernimmt ihr Mann und erklärt uns, wie der Hopfen in drei Stufen bei 65°C getrocknet wird – bis er dann mit 10% Feuchtigkeit verpackt wird. Nicht mehr und nicht weniger. Denn nur wenn die Feuchtigkeit des Hopfens stimmt, stimmen auch Qualität und Preis.

Am liebsten würde ich da bleiben, in der Darre, die Eugen Kirzinger liebevoll „Hopfensauna“ nennt. Wo es so schön kuschlig warm ist und vor allem unglaublich intensiv riecht. Süßlich, aber trotzdem würzig. Und gleichzeitig fruchtig-frisch. Hopfen eben – ich könnte mich reinlegen.

Irgendwann reißen wir uns dann aber doch los und dürfen zum Abschluss unseres Besuchs in den Himmel. Zwar „nur“ der Hopfenhimmel, aber auch der macht seinem Namen alle Ehre: Sogar die Sonne kommt extra raus, als wir auf der von Kirzingers errichteten Aussichtsplattform über die umliegenden Hopfengärten schauen dürfen. Und ein bisschen fühlt man sich wirklich wie im Himmel – wir kommen ihm sogar noch ein bisschen näher als der Hopfen.

 

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