4 Min. Lesezeit Gut gelaunt durch vierzig Jahre Außendienst

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Gut gelaunt durch vierzig Jahre Außendienst Menschen | | 01.08.2016 4 Min. Lesezeit

 

Wer Andreas Eger kennenlernt, käme wohl nie auf die Idee, ihn als „Urgestein“ zu bezeichnen. Denn auch wenn er schon seit vierzig Jahren bei Krones arbeitet – mit einem Fossil hat der Akademie-Trainer nichts gemein. Im Gegenteil: Wenn Andreas Eger über seine Arbeit spricht, blitzen aus jedem Satz Lebendigkeit und gute Laune hervor. Ob knifflige Technik oder Sprachbarriere: Er begegnet den Herausforderungen seines Jobs mit einer unaufgeregten Neugier und einer ordentlichen Portion gesunden Humors.

 

Herr Eger, Sie arbeiten seit fast vierzig Jahren im Krones Außendienst. Wie kam es dazu?

Ich habe 1973 als Werkzeugmacher-Lehrling im Werk Nittenau angefangen. Nach der Ausbildung wollte ich eigentlich sofort mit dem Meister weitermachen. Allerdings habe ich schnell gemerkt, dass das nicht das Richtige für mich ist und nach dem Ausbilderschein wieder aufgehört. Als dann der Seniorchef auf einer Betriebsversammlung erzählte, dass er nicht genügend Monteure auftreiben kann, dachte ich, das könnte was für mich sein.

Monteur statt Meister – warum haben Sie sich dazu entschieden?

Ich hatte nie die Ambition, Chef zu werden. Ich will lieber in meinem kleinen, überschaubaren Bereich etwas bewirken: An den Maschinen schrauben und mit den Leuten an der Front arbeiten, das macht mir Spaß.

Und wie sind Sie dann Trainer geworden?

Das hat sich durch Volker Kronseder ergeben: Er hat erkannt, dass der Vertrieb alleine es nicht mehr leisten kann, den Kunden die Maschinen bis ins Detail zu erklären. Vor allem mit dem Ausbau des Nassteils brauchte es irgendwann einfach Fachleute, die dem Vertrieb und dem Kunden die Feinheiten der Technik erklären können. Weil ich vorher schon Etikettiermaschinen und Füller in Betrieb genommen hatte, war das dann ab 1985 mein Job.

Heißt das, die Akademie bestand damals nur aus Ihnen?

Nicht ganz: Die Akademie als solches gab es da noch nicht. Am Anfang war ich der einzige Trainer, aber schon ein Jahr später kam ein zweiter dazu. Eines Tages ist es dann passiert: Eine Gruppe wurde im Schulungsraum quasi sitzengelassen, weil mein Kollege krank wurde und ich gleichzeitig auf Dienstreise war. Danach haben wir uns breiter aufgestellt und uns Kollegen für Inspektionstechnik und Elektrik ins Team geholt. So hat sich die Akademie dann allmählich aufgebaut.

Wie haben Sie sich überhaupt eingearbeitet? Vor Ihnen gab es ja noch keine Trainer, von denen Sie sich etwas hätten abschauen können …

Ganz neu war der Job ja nicht: Ich habe auch als Monteur schon dauernd gesehen, was die Kunden brauchen, um eine Maschine zum Laufen zu bringen. Von daher war es eigentlich klar, was die Schulungsinhalte sein müssen. Heute sind neben der Schulung des Personals auch Tests und Assessments im Arbeitsumfang enthalten.

Wer heute beruflich reist, kann sich mit Sprachkursen und interkulturellen Trainings vorbereiten. Wie war das denn bei Ihnen?

Ich habe mein Englisch auf der Baustelle gelernt. Gleich in meinem ersten Jahr als Monteur ging es für sechs Monate nach Nigeria. Weil mein Wortschatz nur aus wenigen Wörtern bestand, hatte ich das gelbe Langenscheidt-Lexikon immer in der Kitteltasche parat. Dafür verstehe ich heute alle Variationen der Sprache: vom Schotten bis zum Südafrikaner kann ich mich mit jedem unterhalten. Für alle anderen Sprachen gibt es Dolmetscher, mit denen wir zusammenarbeiten.

Gibt es Länder, die Sie besonders gerne oder vielleicht auch gar nicht gerne bereisen?

Ach, ich bin da eigentlich aufgeschlossen und fahre überall gerne hin. Ein bisschen schwierig finde ich Länder, in denen man sich nicht frei bewegen kann. Wenn man zum Beispiel in Nigeria von bewaffneten Sicherheitsleuten im Hotel abgeholt und zum Kunden begleitet wird, ist da schon ein gewisses Unbehagen dabei. Aber das gehört dazu. Dafür geht es dann das nächste Mal nach China oder Vietnam, wo ich abends mit den Dolmetschern losziehen kann. Wir essen dann in winzigen Restaurants, die nur aus drei Tischen bestehen oder verpflegen uns quasi direkt am Bürgersteig – das finde ich spannend. Ich war sogar zweimal kurz hintereinander in der Karibik, das entschädigt einen dann wieder!

Was sind die schönsten Erfolgserlebnisse für Sie?

Wenn sich den Teilnehmern ganz neue Welten eröffnen. Manchmal kommt es vor, dass die Bediener vor vollendete Tatsachen gestellt werden und selbst sehen müssen, wie sie die neue Technik am Laufen halten. Mir ist es tatsächlich schon passiert, dass Leuten im Kurs fast die Tränen kamen, als sie sahen wie leicht die Arbeit ist – wenn man weiß, wie’s geht.

Haben Sie eine Lieblingsmaschine?

Ja, die Modul-Etikettiermaschinen – am liebsten wenn sie auch noch schnell laufen. Die verschiedenen Technologien auf einmal, das ist schon spannend. Und auch die alten Füller, die über ecomac verkauft werden, machen mir gerade Spaß. Da ist ein Stück Nostalgie dabei, wenn man seine alten Festplatten wieder rauskramt und sich überlegt: „Wie war das denn alles noch mal?“

Zu guter Letzt: Würden Sie Ihren Job weiterempfehlen?

Ja, ich würde jedem jungen Kollegen empfehlen, in den Außendienst zu gehen. Der Kundenkontakt und die Arbeit an den Maschinen machen einfach Spaß. Wichtig ist nur, dass man auch dafür gebaut ist: Man muss weltoffen sein und Menschen so nehmen, wie sie sind – dann hat man auch viel Freude an dem Job.

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