2 Min. Lesezeit Ein starkes Duo: Vier Fäuste für ein Hallo

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Ein starkes Duo: Vier Fäuste für ein Hallo Menschen | | 28.08.2015 2 Min. Lesezeit

Wenn man Andreas Peppe und Sven Zimmerer im Doppelpack über das Werksgelände gehen sieht, können bei hitzigen Diskussionen schon mal die Fäuste fliegen. Aber nicht, weil die beiden handgreiflich werden, nein: Denn statt mit Worten kommunizieren Andreas und Sven über Gebärden. Andreas ist gehörlos und Sven schwerhörig.

Andreas Peppe arbeitet seit 22 Jahren bei Krones. An einem normalen Arbeitstag im Auftragsbearbeitungsteam für Etikettiermaschinen erstellt er Zeichnungen, Baugruppen, pflegt Stücklisten oder widmet sich Änderungswünschen von Kunden. Das geschieht alles ohne ein Wort – Andreas ist einer der insgesamt 6 Gehörgeschädigten Mitarbeiter bei Krones Neutraubling. Für einen Hörgeschädigten können die einfachsten Dinge im Alltag manchmal ganz schön kompliziert werden. Doch seit vier Jahren kann sich Andreas über Unterstützung freuen: 2011 hat Sven Zimmerer eine Ausbildung zum technischen Produktdesigner bei Krones begonnen. Zimmerer ist selbst schwerhörig und besuchte deshalb eine Schule für Gehörlose, auf der er die Gebärdensprache gelernt hat. Mit der Hilfe von Webcams und der Unterstützung von Sven kann Andreas viel einfacher mit Kollegen kommunizieren. Die Beiden sind nun oft im Doppelpack unterwegs. Andreas hat mit Sven nicht nur einen neuen Freund, sondern auch ein neues Lebensgefühl gewonnen: Er kann jetzt besser und schneller arbeiten – das macht ihn zufriedener und glücklicher.

Ohne ein Wort durch Regensburg

Neben seiner Arbeit bei Krones gibt Andreas Peppe auch Kurse als Gebärdensprachendozent und ist Vorstand des Schwandorfer Gehörlosenvereins. Das reicht ihm aber nicht. Seit fünf Jahren zeigt Andreas anderen Hörgeschädigten historische Stätten in und um Regensburg. Sein Interesse, anderen Menschen Kultur zu vermitteln, wurzelt in seiner Kindheit. Auf europaweiten Reisen hat sein Vater ihm viel gezeigt. „Doch warum so weit weg“, dachte sich Andreas 2008. Ihm kam die Idee, er könnte selbst Kultur vermitteln und das direkt in der Heimat – Regensburg und Umgebung bieten zahlreiche Möglichkeiten.

Seit fünf Jahren führt Andreas nun schon Reisegruppen von bis zu 15 Leuten durch die Altstadt, vorbei an Patriziertürmen, über die Steinerne Brücke bis zum Dom – aber auch stadtauswärts an die Walhalla und Befreiungshalle. Circa 20 Mal im Jahr wird Andreas für Stadtführungen in Gebärdensprache gebucht. Jede Führung ist eine neue Herausforderung. Mit Spannung erwartet er stets seine Gruppe: Kann ich das rüberbringen, was ich möchte? Hoffentlich geht in den engen Gassen zwischen den herumfahrenden Autos alles gut – denn seine „Touris“ müssen ihn immer im Blick behalten und können sich dadurch nicht so gut auf die Umgebung konzentrieren.

Andreas Peppe möchte noch mehr für Menschen mit Hörbehinderung tun. Er hat auch schon das nächste Projekte im Hinterkopf: Theatervorführungen für Gehörlose – in Hamburg gibt’s das schon!

 

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