4 Min. Lesezeit Ein Bier wie eine Bergwiese

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Ein Bier wie eine Bergwiese Menschen | | 20.04.2016 4 Min. Lesezeit

 

Brennnessel im Bier? „Muss nicht sein“ ist meine erste, spontane Reaktion. Irgendwie verbinde ich mit der Pflanze zu viele Erinnerungen an brennende Unterschenkel in meiner Kindheit. Auf der Braukunst Live! habe ich mich meiner Angst dann aber gestellt – und mich an das Allgäuer Kräuter-Märchen der Brau-Manufactur Allgaeu gewagt. Dabei bin ich ins Gespräch gekommen mit Kathrin Meyer, die schon zum dritten mal mit ihrer Familienbrauerei auf der Braukunst war und noch sehr viel mehr zu erzählen hat, als nur über Brennnesseln.

 

Ihr Vater führt das allgäuer Familienunternehmen seit 1968. Ist das zugleich das Gründungsjahr?

Die Brauerei ist schon sehr alt und besteht seit 1650. Allerdings ist der Betrieb erst seit 25.1.1883 in unserer Hand. Meine Schwester Stephanie ist nun die 5. Generation.

 

Zu diesem Unternehmen zählen die Post-Brauerei, Brauerei-Gasthof und auch die Brau-Manufactur. Wie darf ich mir die Überschneidung beziehungsweise die Abgrenzung von Post-Brauerei und Brau-Manufactur vorstellen?

Die Brau-Manufactur Allgaeu ist die Marketing- und Vertriebsgesellschaft der Post-Brauerei Nesselwang. Die Brau-Manufactur Allgaeu hat sich hauptsächlich auf Kreativ-Biere ausgelegt, wie z.B. unser „Allgäu Kräuter-Märchen“ (Kräuterbier) oder unseren Whiskey-Bock.

 

In Ihrem Sortiment sind verschiedene „Klassiker“, aber eben auch außergewöhnlichere Kreationen. Seit wann brauen und verkaufen Sie Ihre Edel-Biere?

Kreativbiere brauen wir seit 2013. Die Idee dazu ist in den Jahren 2010-2013 herangereift.

 

Sie hatten an Ihrem Stand verschiedene Biere mit dabei. Gibt es eines, das besonders viel Aufmerksamkeit genossen und viele Fans gewonnen hat?

Wir fanden, dass unser Hopfen Royal und die Braukatz „Hop Cat“ (= Hopfen Katze) sehr guten Anklang fanden. Die Hop Cat ist ein kaltgehopftes Kellerbier, das wir erst seit letztem Oktober im Einsatz haben.

 

Außerdem hatten Sie Ihr „Spezial Bier“, das Kräuter-Märchen, dabei. Ich war sehr positiv überrascht von der sommerlichen Frische und dem Geschmack nach Bergwiese – haben Sie das Bier ganzjährig im Sortiment?

Das „Allgäu Kräuter-Märchen“ ist unser ganzer Stolz. Es ist nicht unser stärkstes Pferd im Stall, aber wir haben es trotzdem ganzjährig im Sortiment.

 

Auf der Website und in der Namensgebung Ihrer Biere widmen Sie sich immer wieder Ihrer Heimat, dem Allgäu. Spielt diese Heimatverbundenheit für Sie persönlich, für das Unternehmen und für die Biere eine besondere Rolle?

Die Allgäuer waren schon immer ein eigenes, unabhängiges Bergvölkchen zwischen Altbayern und Schwaben. Klar, sind wir stolz darauf aus dieser Region zu stammen. Unser Bier „Allgäu Kräuter-Märchen“ ist ein Liebesgedicht an unser Allgäu. Gebraut mit Kräutern, die auf unserem Hausberg wachsen.

 

Sie entwickeln immer wieder neue Bierkreationen. Wer von Ihnen ist in diesen kreativen Brauprozess mit eingebunden? Ist das ein gemeinschaftliches „Familienprojekt“?

In erster Linie meine Schwester. Sie denkt sich die Rezepturen aus und wählt den passenden Hopfen dazu aus.

 

Haben Sie im Unternehmen eine feste Arbeitsteilung? Ich habe bisher den Eindruck, dass Ihre Schwester eher das handwerkliche Brauen „übernimmt“ und Sie sich mehr um Kommunikation, Vermarktung etc. kümmern – ist da was dran oder ist das ein falscher Eindruck?

Das ist genau der richtige Eindruck. So ist es.

 

Mit bierigen Rezepten und „Frauen-Bieren“ wenden Sie sich gezielt an weibliche Bier-Trinkerinnen. Glauben Sie, dass Frauen nur so für das Thema zu begeistern sind?

Ich denke, dass die Craft-Beer-Bewegung automatisch immer mehr Frauen erreichen wird. – Wir, also unsere Biere, wenden uns aber nicht explizit an Frauen. Männern soll das Bier natürlich auch schmecken.

 

Sie und ihre Schwester begeistern sich beide für das Thema Bier. War das schon immer so?

Bei meiner Schwester war es schon früh so. Bei mir erst seit etwa 5 Jahren. Ich bin später auf „den Geschmack gekommen“.

 

Haben Sie persönlich ein Lieblingsbier und/oder einen Lieblingshopfen?

Ach wissen Sie, ich bin ein Mädel, und ich mag die fruchtigen Hopfen einfach sehr gerne. Es spricht mich an, meinen Geschmack, mein Gemüt.

Darum mag ich den Mandarina Bavaria sehr gerne, er ist einfach toll, lecker, süß, sommerlich! Außerdem mag ich den Galaxy Hopfen.

 

Am 11. April lief im BR Ihr Film, „Die Bier-Rebellen“ in dem es um kreative Craft Brewer, aber auch um traditionelle Biere und alteingesessene Brauer geht. Wie stehen Sie persönlich zur Debatte um das Reinheitsgebot?

Ich bin grundsätzlich für das Reinheitsgebot. Es müsste halt an unsere Zeit angepasst werden. – Ich sehe zum Beispiel ein Problem darin, dass man alte, traditionelle Bierstile wie „Milk Stout“ oder „Leipziger Gose“ in Deutschland nicht verkaufen darf. Das ist respektlos gegenüber der Bierrevolution die tausende Jahre zurückliegt und viele fantastische Rezepturen beinhaltet.

 

Wie ist es zur Idee für den Film gekommen?

Ich liebe Bier wirklich sehr. Es ist schon fast eine Art Fetisch bei mir. Man befasst sich täglich damit und lernt viele Produzenten kennen und deren Geschichten. So entstand bereits vor über 3 Jahren der Wunsch, diesen Film zu produzieren. Es sollte eine Art „bayerischer Roadmovie mit Augenzwinkern“ werden und es ist mir glaube ich ganz gut geglückt. Ich hatte aber auch ein sensationelles Team an meiner Hand.

 

Was haben Sie für Ziele für die Brau-Manufactur? Möchten Sie z.B. gerne expandieren oder ist Ihnen die Verankerung in der Region da wichtiger?

Die Verankerung in der Region ist uns sehr wichtig und die möchten wir stärken. Es ist doch am schönsten, wenn man auf eine Berghütte hinterm Haus läuft und dort das eigene Bier trinken darf.

 

 

Für diesen Plan wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie alles Gute und bedanke mich ganz herzlich für das angenehme Gespräch!

 

Den Film finden Sie hier: http://www.br.de/mediathek/video/video/die-bier-rebellen-100.html

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