5 Min. Lesezeit Die große Deutsche im indonesischen Support

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Die große Deutsche im indonesischen Support Menschen | | 23.04.2014 5 Min. Lesezeit

Wollten Sie schon immer mal sehen wie in China gearbeitet wird? Oder halten Sie die USA für Ihr Traumland? Mit dem internen Austauschprogramm Across Borders möchte die Krones AG die interkulturelle Handlungs- und Sprachkompetenz ihrer Mitarbeiter stärken. Zudem wird den Teilnehmern die Möglichkeit geboten, berufliche Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Wichtig dabei  ist auch, dass sich die Mitarbeiter international vernetzen und gemeinsam Themen und Projekte effektiv und langfristig bearbeiten. Wir haben uns mit den fünf Programmteilnehmern aus Neutraubling unterhalten. Heute stellen wir Ihnen Claudia Konhäuser und ihre Arbeit in Jakarta (Indonesien) vor.

Borobodur (2)Seit wann nehmen sie am Across Borders Programm der Krones AG teil?

Ich bin seit dem 4. Januar hier in Jakarta und auf keinen Fall möchte ich diese Erfahrung missen. Across Borders ist eine Chance die ich jedem empfehle der Lust zu reisen und keine Angst vor Mehrarbeit hat.

Bei der Krones AG bin ich seit 2007 als Sachbearbeiterin im Vertrieb Life Cycle Service (LCS) Asien Pazifik. Unter anderem betreue ich die Länder Australien, Pakistan, Philippinen und auch Indonesien. Meine Hauptaufgaben sind Ersatzteilangebote erstellen und Aufträge anlegen.

Ich bin jeden Tag mit Kunden und Niederlassungen in Kontakt und habe einige von ihnen so gut kennen und schätzen gelernt. Einige habe ich dann und wann auch persönlich getroffen wenn sie zum Beispiel auf Schulung in Neutraubling waren.

Wie helfen Sie dem Team in Jakarta?

Die Niederlassung in Jakarta wächst rasant und es findet gerade eine Umstellung statt. Alle Ersatzteile werden seit dem letztem Frühjahr von Krones Thailand bezogen. Das bedeutet: viele neue Kollegen mit wenig Erfahrung zum Beispiel mit SAP und der Firma für die sie arbeiten.

Ich bin als LCS Support eingesetzt. Das heißt, ich helfe dem sechsköpfigen Team bei allen Fragen rund um SAP und die Umstellung und versuche die Kommunikation nach Thailand zu verbessern. Die Kollegen in Indonesien übernehmen unter meiner Anleitung mehr und mehr Aufgaben selbst wie zum Beispiel die Auftragsanlage im SAP. Ich unterstütze sie dabei, so selbstständig wie möglich zu arbeiten.

Konnten Sie schon gravierende Unterschiede zu ihrer deutschen Heimat feststellen?

Mit Krones Neutraubling ist die Niederlassung nicht zu vergleichen. Wir sind 35 Leute im Innendienst und das Büro ist dementsprechend überschaubar. Die Arbeitszeiten sind fix. Es gibt keine Gleitzeit wie in Neutraubling. Von 8 bis 12 Uhr, eine Stunde Mittag und dann geht es weiter von 13 bis 17 Uhr. Die meisten kommen eher und gehen später. Die Kollegen vom Service sind oft auch am Samstag im Büro.

Dress Code RED zu chinese New Year

Ein neuer Einsatzort bedeutet neue Kollegen und Kontakte.  War die Kontaktaufnahme schwierig?

Ich wurde sehr herzlich empfangen und man ‚kümmert‘ sich sehr aufmerksam um mich. Das Arbeitsklima ist sehr gut und es gibt gemeinsame Aktivitäten wie Karaokeabende oder einen jährlichen Wochenendausflug. Gemeinsames Mittagessen gibt es in der Mall oder wird auf Bestellung vom „Office Boy“ in die kleine Küche des Büros geliefert. Freitags gibt es einen Dress Code, der abwechselnd von allen am Donnerstag bekannt gegeben wird. Die Kleiderordnung heißt dann: Batik (das ist wohl die hiesige Entsprechung zur Bayrischen Tracht) oder zum Valentinstag Pink.

Ein auffälliger Unterschied zu Deutschland ist das viele Personal. Vom Straßenfeger über Parkplatzeinweiser hin zu ganzen Schwärmen von Verkäufern an der Supermarktkasse. Die meisten Familien beschäftigen rund um die Uhr ein Kindermädchen die im Haushalt leben und, mit Gepäck beladen, die Kleinsten in Tragetüchern vor der Brust, mit ins Restaurant, zu Hochzeiten und sonst überall mit hin kommen. Im Krones Indonesien VT-Team sind viele junge Frauen mit kleinen Kindern. Nach wenigen Monaten Mutterschutz sofort zurück in Vollzeitbeschäftigung und das Kindermädchen passt auf die Kleinen auf.

Botanischer Garten BogorDerzeit bin ich noch in einem Hotel untergebracht das sich in einer der hier sehr zahlreichen Malls befindet. Ich kann zum Büro laufen, das sich nur etwa 300 Meter weiter auf der anderen Straßenseite befindet. Das ist sehr angenehm, wenn man bedenkt wie früh manche der Kollegen hier aufstehen müssen, da jeden Tag zur Rush Hour die Straßen völlig verstopft. Da kann der Weg zur Arbeit auch mal mehrere Stunden dauern.

Für eine 20 Millionen Einwohner Metropole und Hauptstadt ist Jakarta bemerkenswert wenig touristisch und nicht so international aufgestellt wie erwartet. Englisch ist fern des Büros oder Hotels Mangelware und aufgrund dessen habe ich vor zwei Wochen angefangen die Landessprache, Bahasa Indonesia zu lernen. Es gibt eine Sprachschule gleich um die Ecke und nach der Arbeit von 18 bis 20 Uhr habe ich zusammen mit zwei chinesischen Einwanderern zwei- bis viermal die Woche Sprachunterricht.

Das hört sich nach viel Arbeit an. Wie genießen Sie die Freizeit in Jakarta?

Die Wochenenden nutze ich für kleine Trips in die Umgebung Jakartas, z.B. nach Thousand Islands, einem Inselparadies das von Jakarta aus mit dem Schnellboot in ein bis zwei Stunden zu erreichen ist. Ein Tauchkurs ist schon so gut wie gebucht. Nächste Woche fahre ich mit einigen Kollegen nach Yogyakarta um den Borobodur, eine der größten buddhistischen Tempelanlagen Südostasiens anzusehen. Und natürlich kommt man wenn man schon mal hier ist um ein Wochenende auf Bali nicht drum rum.

Das klingt nach einem echten Traum. Gab es auch besonders spannende Erlebnisse?

Heftige Gewitter waren im Januar und Februar an der Tagesordnung und die Straßen waren oft überflutet weil das Wasser kaum abfließen konnte. Das hatte katastrophale Auswirkungen auf Straßen und Verkehr, welche so schon chaotisch genug sind. Der Weg zur Arbeit war also jeden Tag ein Erlebnis. Flipflops an, Hosen hochkrempeln und durch. Aber man hat mir gesagt dass das alles kein Problem ist im Vergleich zum letzten Jahr. Da stand das Wasser meterhoch in den Straßen.

Kurztrip Yogyakarta mit Kollegen3Öffentlicher Nahverkehr ist vielfältig aber oft ein Rätsel. Busfahrpläne gibt es nicht. Man stellt sich an die Straße und meistens kommt dann schon irgendwann einer der recht ramponierten Busse die grundsätzlich die Tür offen haben und rappelvoll sind oder man nimmt einen Minibus, eine Art „Sammeltaxi“. Außerdem gibt es tausende Bajaj, stinkende, laute dreirädrige Kabinenroller und sogar noch mehr Ojek, sozusagen Roller-Taxi. Das ist oft die schnellste Alternative da sich Horden von Rollern und Mopeds durch den stockenden oder stehenden Verkehr schlängeln und an roten Ampeln sammeln oder diese einfach ignorieren. Kleiner Tipp: Den Preis vorher ausmachen 😉

Insgesamt ist das Leben hier wesentlich gemächlicher als in Deutschland. Die Uhren gehen langsamer und so auch die Leute. Man macht alles zusammen. Hier ist niemand allein unterwegs. Man wird von drei vier Leuten zum Taxi begleitet oder gleich direkt heimgefahren – Widerrede ist zwecklos. Alle sind äußerst freundlich und neugierig. Einen Fremden gnadenlos über das Privatleben ausquetschen ist völlig okay und ständig werde ich gefragt ob ich schon verheiratet bin und wenn ich nein sage, wann ich vorhabe zu heiraten.

Europäer gibt es sehr wenige und mit 1,76 m bin für eine Frau auch noch recht groß, hier eine echte Attraktion. Dementsprechend aufgeregt sind viele Indonesier wenn sie mich auf der Straße sehen oder wenn ich in ihren Laden komme. Vor allem die Unterschicht macht keinen Hehl aus ihrer Begeisterung und es schallt mir, während man mit dem Finger auf mich zeigt, mit fröhlichem Kreischen „Buhle“ entgegen, was hier die Bezeichnung für einen Weißen ist. Es herrscht helle Aufregung wenn ich sie auf Indonesisch grüße. Nicht selten ende ich irgendwo mit einem Indonesier an jedem Arm oder von einer Gruppe Halbstarker umringt um Fotos zu machen.

Ein Highlight war sicher die Hochzeit einer meiner Kolleginnen. Ein riesiger Empfang mit hunderten von Leuten und das Brautpaar war aufgemacht wie König und Königin mit Thron auf einem Podest. Alles in Rot und Gold, exotisch geschminkt – sowohl Braut als auch Bräutigam!

Kaum zu glauben dass schon bald drei Monate um sind, die Zeit fliegt nur so dahin und ich kann mit vollem Recht behaupten dass Indonesien zu 100prozentig die richtige Entscheidung war!

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