3 Min. Lesezeit Der „Salo-Kult“ in der Ukraine: mehr als ein nur ein Lebensmittel

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Der „Salo-Kult“ in der Ukraine: mehr als ein nur ein Lebensmittel Menschen | | 02.10.2015 3 Min. Lesezeit

Ein weißer fester Klumpen, gemacht aus einer Fettschicht vom Schweinerücken. In Salz und Gewürzen gereift, gepökelt, geräuchert, gepfeffert oder mariniert. Es gibt ihn mit Paprika, mit Sesam, mit bulgarischem Pfeffer und mit Brennpfeffer. Kurz gesagt, es geht um „Salo“, den ukrainischen Speck. Und genau den stellt meine Kollegin Lyuba hier vor. Für alle, die – wie ich – noch nie davon gehört haben, und außerdem für alle, die – wie Lyuba – finden, dass mehr Menschen dieses „Kult-Lebensmittel“ kennen sollten.

Zugegeben, bei dem Wort „Fettschicht“ läuft einem vermutlich nicht gerade das Wasser im Mund zusammen. Manchen jedoch schon. In der Ukraine denkt man dabei sofort an das ukrainische Nationalgericht schlecht hin. Es liegt bei jeder Feier in Stückchen geschnitten auf dem Tisch und wird im Handumdrehen verschlungen. Die Ukrainer scherzen sogar, dass die Philosophie und der Staatsaufbau ihres Landes auf dem Lebensmittel beruhen. Apropos scherzen: der Speck sorgt auch für einige Lacher, denn über ihn gibt es zahlreiche Witze in der ukrainischen Kultur.

Hier eine Kostprobe:

An der Grenze halten russische Zollbeamte einen sehr dicken Ukrainer an. Unter seinem Mantel ist der Mann vom Hals bis zur Hüfte mit Speck umwickelt, mit einem vier Meter langen Salo-Streifen umwickelt.

­–„Hör zu“, sagen die Zöllner, „wir lassen dich laufen, aber du musst uns verraten, wo du dieses irre Stück Speck herhast – so große Schweine gibt es doch gar nicht!“

– „Ganz einfach“, sagt der Ukrainer: „Ich habe einem Ferkel die Hinterbeine einbetoniert und den Futternapf jeden Tag ein paar Zentimeter weiter weggerückt!“

…alles auf Anfang.

„Salo“ isst man in der Ukraine seit dem 16. Jahrhundert. Die Ukraine war ein Bauernland und Schweine waren leicht zu haltende Tiere. Die Bauern verkauften das Fleisch, behielten den Speck aber für sich. Zum einen, weil er kalorienreicher ist als das Fleisch und sich leichter lagern ließ und zum anderen, weil er viel kalorienreicher war, als das Fleisch. Schon geringe Portionen stillten den Hunger. Deshalb war er auch während Lebensmittelengpässen Stammgast auf den Tellern. In den ärmlichen Regionen des Landes ist es bis heute eines der Hauptnahrungsmittel.

Vielseitig talentiert

Am besten schmeckt „Salo“ im „Borschtsch“ einer Suppe aus Rote Beete, zu Bratkartoffeln oder auf einem Schwarzbrot mit Knoblauch und Zwiebeln. Der Wodka darf da natürlich auch nicht fehlen.

An dieser Stelle lüften wir ein gut gehütetes Geheimnis: Wie können Osteuropäer so viel trinken ohne betrunken zu werden? Daran ist die Lieblingsspeise der Ukrainer schuld. Sie sorgt nämlich dafür, dass der Alkohol langsamer ins Blut dringt und die Leute mehr trinken können. Wie praktisch!

Salo beugt aber nicht nur dem Kater vor, sondern schützt auch vor Verbrennungen durch scharfen Schnaps. Das Schweinefett schmiert nämlich den Hals und sorgt dafür, dass der 70-prozentige selbstgebrannte „Samogon“ nicht unseren Rachen verbrennt. Eben ein Allround-Talent.

Stadt-Land Gefälle

In der Ukraine isst die Dorfbevölkerung deutlich mehr „Salo“, als die Städter. Das hängt zum Teil damit zusammen, dass der Großteil der Landleute auch heute noch Schweine hält und somit selber die Speckschwarten herstellt.

Aus dem Grund gilt der Verzehr von „Salo“ in der ukrainischen Folklore als ein Indiz für einen körperlich schwerarbeitenden Menschen. Es heißt nämlich „wer kein Salo isst, arbeitet zu wenig“.

„Salo“ in Russland

Nicht nur die Ukrainer lieben „Salo“, auch in Russland und Weißrussland ist es sehr beliebt. Zwischen dem ukrainischen und russischen Speck gibt es jedoch einen kleinen aber feinen Unterschied: während der russische Fleischteile enthält, besteht der traditionelle ukrainische Speck aus einer reinen weißen Fettschicht.

Das beste „Salo“ kommt aber bekanntlich aus der Westukraine. Und weil es so gut schmeckt, schmuggelten die Ukrainer ihren Speck in den 1990er Jahren nach Russland, um es an den Moskauer Bahnhöfen zu verkaufen. So kam der ukrainische Speck nach Russland.

„Snickers“ war gestern

Wie wir bereits wissen, gibt es „Salo“ verschieden zubereitet und in zahlreichen Geschmacksrichtungen. Eine Sorte hätten jedoch die Wenigsten vermutet.

Für die Naschkatzen haben sich die Ukrainer nämlich eine süße Alternative ausgedacht – „Salo“ in der Schokolade. Klingt nach einem weiteren Speck-Witz, wird aber tatsächlich in der Süßwaren-Abteilung verkauft. Na, wenn das mal nicht die süßeste Versuchung ist, seitdem es Schokolade gibt.

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