3 Min. Lesezeit Algerien – ein Reisebericht Teil IV

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Algerien – ein Reisebericht Teil IV Menschen | | 09.01.2015 3 Min. Lesezeit

Fremd ist der Fremde nur in der Fremde (Karl Valentin)

Wir haben den Großteil unserer Aufnahmen und Fotos im Kasten. Morgen stehen Impressionen „Land und Leute“ auf dem Programm. Bevor es ins Hotel geht, noch ein kurzer Stopp im Supermarkt: Bilder vom „point-of-sale“. Ein intensiver Tag, mit vielen Eindrücken, mit fürsorglichster Bewirtung samt traditionellen Speisen und als Kontrast dazu Cola-Mischgetränke für den Zuckerhaushalt zwischendurch. Auch heute wird es schnell dunkel. Und selbst wenn die letzten Sonnenstrahlen hinter den leuchtenden Bergen verschwunden sind, bleibt die Hitze bestehen. Es ist 20 Uhr und immer noch 35 Grad.

Über eine Oase und einen singenden Fischer 

Der nächste Tag. Wir starten um sieben Uhr. Es geht in nordöstlicher Richtung nach MChounech zu einer Oase. Eine gute Stunde Fahrt liegt vor uns. Weit über 40 Grad sollen es heute werden. Mouloud Hamdi hört gerne Popmusik, so auch heute und plötzlich sagen wir: „Ah, that is German!“ Wir hören genau hin. Es ist der Donner Song aus dem Film Ted. Etwas unflätig mit Aussagen wie: „leck mich doch am S…“. Wir überhören das mit einem Schmunzeln. Man sollte nicht alles übersetzen.

Algerien Reisebericht

Dann liegt sie vor uns. Eine Oase wie aus einem orientalischen Bilderbuch entsprungen. Und es wird noch märchenhafter: Ein einsamer Fischer, der für uns ein Lied auf einer Flöte spielt und kurz darauf seine Stimme zu einem Lied erhebt. Ich verstehe die Bedeutung nicht, aber ich kann es fühlen und bekomme eine Gänsehaut. Besser hätte man diese Szenerie nicht arrangieren können… ist das Zufall, Fügung oder sogar Bestimmung? Wir wissen es nicht, sind aber ergriffen und dankbar. Und so sollte es weitergehen.

Das Farbenspiel der Unendlichkeit  

Unsere Fahrt geht weiter über Qued-el-Hatar in Richtung Arris. Mittlerweile hören wir einen   lokalen Radiosender. Die Stimme von Cheb Mami, algerischer Sänger, ertönt. Am Fenster zieht die Landschaft vorbei. Das Farbenspiel der Unendlichkeit aus Bergen und Sand. Ocker, Karamell, Schokolade, Beige, Creme, Kaminrot, Messing, Kupfer und für alles weitere finde ich keine Worte – teilweise sehen die Berge wie überdimensionale Termitenbauten aus. Wir halten an einem Aussichtsplatz. Unter uns eine vier Kilometerlange Schlucht, ein Canyon. Bekannt als die „Balkone von Ghoufi“. Ein Naturwunder Algeriens, das in die UNESCO-Naturdenkmälerliste aufgenommen ist. Am Fuße der Schlucht ein Flussbett. Der Bergfluss Aboid, der immer mal wieder austrocknet. Palmen wachsen ringsum. Kleine Behausungen. Umschlossen wird das Ganze von 200 Meter hohen, massiven Steilwänden. Ein fruchtbarer und schutzbringender Ort.  Bis in die 70er lebten hier noch Menschen berbischer Herkunft. Ich bin sprachlos. Es ist wunderschön.

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Einlassen und zulassen

Wir fahren zurück nach Biskra. 55 Kilometer liegen vor uns und neben uns am Straßenrand wachsen Kakteen. Ihre Frucht: Die Dattelfeige. Festes Fleisch und der Geschmack erinnert mich an eine Banane. Und an dieser Stelle ein Vermerk: Bitte nur mit Handschuhen anfassen und aufschneiden. Die kleinen, schwarzen Nadelnester sind messerscharf und stechen schmerzhaft tief in die Haut – wie mir gesagt wurde. Mein Blick schweift wieder über die Landschaft. Einlassen, zulassen und das Andere und doch so vertraute Fremde genießen. Annehmen und nichts dazwischen stellen.

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Und viel zu schnell kam dieses Mal der Abend, das letzte gemeinsame Essen. Dankbarkeit sitzt mit uns am Tisch. Keine Rede von Abschied, vielmehr auf ein Wiedersehen. Und die Hoffnung, dass sich Gesten, Lächeln, Blicke und Händeschütteln angefühlt haben wie eine herzliche Umarmung unter Freunden. Denn so war es für mich – so habe ich Guedila und Algerien erlebt. Ich habe mich daheim gefühlt. Denn: „Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“. (Karl Valentin)

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