3 Min. Lesezeit Algerien – ein Reisebericht Teil I

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Algerien – ein Reisebericht Teil I Menschen | | 12.12.2014 3 Min. Lesezeit

Fremd ist der Fremde nur in der Fremde (Karl Valentin)

Algerien sollte es also sein. Video- und Fotoaufnahmen bei einem Abfüller für stilles Mineralwasser. Die erste Begeisterung weicht nach und nach den Bedenken. Bilder im Kopf. Medienberichte über Entführungen, Unruhen und Konflikte im Land sowie in den Nachbarstaaten.

Das war vor zwei Monaten. Heute bin ich wieder zurück. Nein, nicht ganz. Es fehlt ein Teil. Meine Seele ist noch nicht ganz da. Ein Teil von ihr ist zurück geblieben – irgendwo rund um Biskra. Dort, wo das Gebirge aufhört und die Wüste beginnt. Beim Betrachten des schnell schwindenden abendlichen Sonnenlichts, dem Erwidern eines Lächelns, dem Blick in freundliche Augen, ein sicheres Gefühl in der vertrauten Fremde und immer diese einlullende gleich bleibend flirrende Hitze. An einem Spitzentag: 45 Grad. Und jetzt sitze ich in meiner kühlen Wohnung im verregneten Regensburg, erinnere mich und höre die Musik von Cheb Mami, algerischer Sänger und weltweit bekannter Star. Vor dem Einschlafen noch eine Nummer im Duett mit Sting: Desert Rose.

Eine Rose in der Wüste. Etwas besonderes. Eine Oase. Ein Geschenk. Wasser in der Wüste. Ein Ort, der Leben ermöglicht und es am Leben hält. Eine Quelle, die mitten in der Einsamkeit entspringt – wie in Guedila (gesprochen „Geh-dilla“). So wie der Ort und die Quelle heißt auch der algerische Wasserproduzent, dessen Freundlichkeit und Gastlichkeit mich tief berührt hat, mir schier die Sprache verschlagen hat… so gerne hätte ich alle bei Guedila europäisch herzlich umarmt und gedrückt, nur leider entspricht das nicht der arabischen Schicklichkeit.

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Es geht los nach Algerien 

Wir starten mitten in der Vielflieger-Ferienzeit im August. Unser erster Flug geht von München nach Paris und von dort weiter nach Algier. Die erste Überraschung: Ein kaputter Koffer. Zum Glück blieb das Equipment unversehrt. Dann der erste Sicherheitscheck – Koffer auf: „Warum die Objektive, sind Sie Journalisten, was machen Sie hier…“ und dann Koffer zu und weiter. Fünf Minuten flotter Fußmarsch in Richtung nationaler Flughafen mit dem Ziel: Batna, im Nordosten Algeriens. Transfer mit freier Sitzwahl in einer kleinen und schnell proppenvollen Propellermaschine. Eine Stunde später sicher in Batna gelandet.

Und da stehen wir dann. Warten, schauen, blicken in die bergige und sandige Unendlichkeit. Es ist 19 Uhr und es hat immer noch 34 Grad, zum Glück weht ein leichter Wind. Und dann endlich sehen wir ein Fahrzeug auf uns zu kommen. Ein großer, dunkler Pick-Up. Eine Person steigt aus. Eine Erscheinung. Gekleidet in einem strahlend weißen kleinähnlichen Gewand. Es ist ein junger Mann, er kommt lächelnd auf uns zu. Es ist Mouloud. Der Marketingleiter bei Guedila.

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Wir nähern uns dem Ziel 

150 Kilometer Transfer in die Stadt Biskra liegen vor uns. Es wird schnell dunkel, schließlich Nacht um uns. Wir passieren Ortschaften, dunkle Häuser, halb fertige Gebäude, dann wieder Licht, Männer sitzen beisammen, am Straßenrand kleine beleuchtete Grill-Stationen mit Hühnchen am Spieß, hier und da läuft Fußball im Fernsehen. Diese Kommunikation funktioniert wohl immer und überall. Wir beschleunigen und bremsen auf Schrittgeschwindigkeit. Gefühlt alle zehn Minuten eine nächtliche Polizeikontrolle. Das Licht in unserem Fahrzeug geht an, wir fahren langsam vorbei.

Hell erleuchtet sind die letzten Kilometer nach Biskra. Links stehen Straßenlaternen aufgereiht wie Perlen aus Licht hintereinander. Wir kommen an. Es ist schon nach 22 Uhr und die Küche hat geschlossen. Aber Mouloud organisiert unser Abendessen. Zimmerservice.

Es ist fast Mitternacht und draußen hat es immer noch über 30 Grad. Meine Klimaanlage ist auf 20 Grad eingestellt. Und wie es der Europäer lernt: Maximal sechs Grad Unterschied zur Außentemperatur. Ich drehe die Klimaanlage also um vier Grad nach oben. Eine Erkältung ist jetzt das letzte was ich brauche… ich schlafe ein, werde wieder wach, es ist kalt. Ich schalte die Anlage aus und falle in tiefen Schlaf. Gegen fünf Uhr morgens wieder wach: Ist das warm hier! Ich schalte die Klimaanlage wieder an.

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