4 Min. Lesezeit Ein Fest für alle Sinne

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Ein Fest für alle Sinne Events | | 04.08.2016 4 Min. Lesezeit

 

Ehrlich gesagt hielt sich meine Motivation in Grenzen, als meine Mama mir vergangenen Sonntag vorschlug, doch auf ein Gläschen Wein nach Regensburg zu fahren. Das miese Wetter hätte eigentlich eher für „Extreme Couching“ gesprochen. Wäre da nicht das MusikWeinFest im Regensburger Stadtpark gewesen… Am Ende haben wir dem schlechten Wetter getrotzt, uns auf den Weg nach Regensburg gemacht und den Sonntagnachmittag dem Wein gewidmet.

Das Treiben im Stadtpark am letzten Veranstaltungstag war relativ überschaubar – ganz im Gegensatz zu den Vortagen, an denen sich unzählige Hiesige und Nicht-Regensburger von der großen Weinvielfalt überzeugt haben. Bei guter Musik und köstlichen Weinen verbrachten viele ein paar schöne Stunden dort. Die Winzer vor Ort hatten also am Sonntag mehr Zeit für das ein oder andere Gespräch. Diese Gelegenheit habe ich genutzt und mich eingehender mit drei echten Weinprofis unterhalten: mit Jörg Krick vom Weingut Dreikönigshof, mit Elisabeth Gahleitner, der Mit-Inhaberin des Weingutes Dr. Riess sowie mit Klaus Höfling vom Weingut Höfling in Franken.

Jörg Krick Klaus Höfling

Elisabeth und Erich Gahleitner

Sind Sie – und Ihre Weine – zum ersten Mal hier in Regensburg am WeinMusikFest vertreten?

Jörg Krick: Nein, das ist nicht unser erster Auftritt hier. Wir waren 2005 schon bei der Premiere mit von der Partie.

Elisabeth Gahleitner: Wir sind dieses Jahr zum ersten Mal hier mit unseren Weinen aus Regensburg vertreten.

Klaus Höfling: Nein, uns hat es auch schon häufiger zu diesem Fest verschlagen.

Was ist das Besondere am WeinMusikFest?

Jörg Krick: Das ist ganz einfach zu sagen: Die Kombination aus Wein und Musik. Gepaart passt das einfach unschlagbar gut zusammen. Wenn dann das Wetter noch ein bisschen mitspielt – wie es am Freitag und Samstag ja der Fall war – dann zieht es viele Menschen, vor allem auch (junge) Familien in den Regensburger Stadtpark. Dort kann man bei einem abwechslungsreichen Musikprogramm und einer qualitativ hochwertigen Auswahl an Weinen nämlich perfekt entspannen und es sich so richtig gut gehen lassen.

Klaus Höfling: Das WeinMusikFest ist ja längst keine unbekannte Veranstaltung mehr und hat sich in Regensburg in den letzten Jahren schon herumgesprochen. Was das Fest so besonders macht, ist meiner Meinung nach das abwechslungsreiche Angebot; sowohl in Bezug auf den Wein als auch auf die Musik. Der Name ist hier jedenfalls definitiv Programm. Es sind Winzer aus verschiedenen Anbaugebieten vertreten und aus musikalischer Sicht ist für jede Altersgruppe und jeden Geschmack etwas dabei von Rock, Pop bis hin zur traditionellen Volksmusik kommt hier jeder auf seine Kosten.

Ist das WeinMusikFest gleichzeitig auch eine Art Austauschforum?

Elisabeth Gahleitner: Ganz klar bietet das Fest Raum für Kommunikation und Austausch zwischen den Weinbauern. Da denke ich vor allen Dingen an den Kontakt und die Gespräche mit den Verkäufern links und rechts, die für uns sehr wichtig und wertvoll sind. Konkurrenzdruck existiert hier eigentlich nicht, im Mittelpunkt steht ganz klar das Miteinander.

Klaus Höfling: Auf alle Fälle. Man kennt sich größtenteils, man trinkt zusammen. Gerade nachmittags, wenn der Ansturm noch nicht so groß ist, schlendert man auch selbst mal an den verschiedenen Ständen hier vorbei und probiert den ein oder anderen Wein vom Nachbarstand. Diese Art von Austausch ist unheimlich wichtig. Dadurch bereichert man sich schließlich gegenseitig.

Woher stammt ihr Wein?

Jörg Krick: Das Weingut Dreikönigshof liegt in Bingen am Rhein in Rheinhessen, dem größten Anbaugebiet Deutschlands.

Elisabeth Gahleitner: Unser Wein kommt direkt aus Regensburg, genauer gesagt aus Winzer, dem nördlichsten Punkt der Donau.

Klaus Höfling: Aus Eußenheim in Franken. Das ist ca. 30 km von Würzburg entfernt.

Und was macht Ihren Wein einzigartig?

Jörg Krick: Grundsätzlich haben wir bei unseren Weinen zwei Ziele fest im Blick: die Aromatik und die Frucht. Wir setzen auf junge, fruchtige Weißweine und gereifte, harmonische Rotweine. Letztendlich liegt die Kunst eines guten Winzers darin, einen Wein zu kreieren, bei dem die eigene Handschrift erkennbar ist.

Elisabeth Gahleitner: Die Tatsache, dass die Weine unseres Anbaus direkt von hier kommen. Sie sind also Regensburger Originalprodukte, da sie hier wachsen und auch vor Ort ausgebaut werden.

Klaus Höfling: Das Weingut Höfling ist ein Familienbetrieb. Anbau, Ausbau und Vermarktung liegen alles in einer und eigener Hand und das macht sich am Ende beim Produkt bemerkbar.

Was ist ihr persönliches Highlight der letzten Tage hier?

Jörg Krick: Ich würde spontan sagen: das Wetter kombiniert mit der Besucherzahl – vom verregneten letzten Veranstaltungstag mal abgesehen (lacht). Am Freitag und Samstag hatten wir im Prinzip aber tatsächlich ideales Weinwetter. Da herrschten Temperaturen um die 25-26 °C – Idealbedingungen zum Weintrinken sozusagen.

Wie steht es generell um den Weinkonsum in Bayern bzw. in der Region?

Jörg Krick: Der Weinkonsum und das Interesse am Wein sind in den letzen Jahren wieder gestiegen. Noch vor nicht allzu langer Zeit war Wein eher ein Getränk für Frauen, wobei Bier als DAS Männergetränk schlechthin galt. Diese Zuordnung war vor allem in Bierhochburgen wie Bayern lange weit verbreitet. Mittlerweile sieht das aber anders aus. Wein gilt als Kulturgut, trägt ein schickes Image und das Interesse und Wissen am Wein nimmt bei den Menschen beider Geschlechter zu. Weintrinken steht jetzt für Genuss, für gezieltes Genießen. Und genau das liegt glaube ich im Trend. Gleiches gilt ja auch in anderen Bereichen oder Märkten, dem Biermarkt zum Beispiel.

Elisabeth Gahleitner: Ich denke der regionale Wein ist hier in der Region noch nicht so „salonfähig“ wie das in unseren Nachbarländern, zum Beispiel Österreich oder Frankreich, der Fall ist. Ich fände es schön, wenn noch mehr auf den regionalen (Regensburger) Wein zurückgegriffen werden würde.

Klaus Höfling: In den vergangenen Jahren haben sich die Leute hier stark auf Herkunft und Region des Weines beschränkt. Das ist sicherlich ein Trend, der mit ähnlichen Entwicklungen in anderen Branchen (z.B. Lebensmittel, Küche) einhergeht und positiv zu bewerten ist.

 

An dieser Stelle sage ich noch einmal vielen herzlichen Dank an die drei sympathischen Experten für das umfassende Gespräch und melde mich hiermit schon für das MusikWeinFest 2017 an – hoffentlich dann ohne Regendusche und mit sommerlicheren Temperaturen als letzten Sonntag. 🙂

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