4 Min. Lesezeit Vivaldi, ein Stück Pizza und der Hopfenbauer

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Vivaldi, ein Stück Pizza und der Hopfenbauer Allgemein, Menschen | | 13.04.2016 4 Min. Lesezeit

 

Was Vivaldi und der Italiener ums Eck gemeinsam haben? Richtig, bei beiden gibt es vier Jahreszeiten – beim einen auf der Geige, beim anderen auf der Pizza. So weit so gut.

Aber es gibt tatsächlich Bereiche, da sind Frühling, Sommer, Herbst und Winter NOCH ein kleines Stückchen prägender: In der Landwirtschaft zum Beispiel. Da bestimmen das Klima und die Jahreszeit eigentlich das ganze Jahr über die Aufgaben und Abläufe. Bei einem Hopfenbauern habe ich mich mal schlau gemacht, was das bedeutet. Das liegt einerseits daran, dass mir Hopfen und Bier recht sympathisch sind und andererseits daran, dass wir im letzten Herbst bei der Hopfenernte auf Eugen Kirzingers Hopfenhof  vorbei schauen durften. Die Gelegenheit habe ich genutzt und gleich mal nachgefragt, wie es denn auf seinem Hof das restliche Jahr über so aussieht.

Ende des Winterschlafs

Da ist am Anfang des Jahres der leere, abgeerntete Hopfengarten (nicht Feld, wie ich mittlerweile gelernt habe!), der recht trostlos da liegt. Nur die langen, markanten Stangen ragen in den Winterhimmel und bilden das Grundgerüst für die Drähte, an denen die Hopfenreben später emporwachsen werden. Aber die Drähte sind noch gar nicht da. Die werden erst noch befestigt; bei bitterer Kälte und hart gefrorenem Boden. Da sind Bauer und Helfer mit einer Hebebühne unterwegs, um die Gärten für die Saison vorzubereiten – nichts für Frostbeulen oder Weicheier.

So ein Hopfenstock ist aber auch ein echter Überlebenskünstler: 15 bis 20 Jahre lang wird auf dem Hof von Eugen Kirzinger vom gleichen Stock geerntet – immer wieder, Jahr für Jahr. Und eigentlich könnte der Hopfen noch länger, wäre da nicht die sich verändernde Nachfrage an verschiedenen Hopfensorten. Er treibt also jedes Jahr wieder aus, der Hopfenstock, und jährlich wird er ab ungefähr Ende Februar zurückgeschnitten – die eine Sorte früher, die andere etwas später. Eugen Kirzinger vergleicht das mit Rosen, die man auch immer wieder zurückschneidet, nur damit sie dann umso gesünder und verjüngter wieder austreiben.

Reges Treiben im Frühjahr

Wenn dann der Boden schön langsam taut und abtrocknet ist es Zeit, die Drähte im Boden zu befestigen und die Hopfenstöcke „auszukreiseln“. Auskreiseln. Mit einem Kreisel „im Zwischenachsanbau-Gerät“. Aha. Sagt mir erst mal wenig. Aber Eugen Kirzinger erklärt: „Da fährt man mit den Traktoren durch und zentriert die Stöcke.“ Die Pflanzen werden also daran gehindert, zu sehr in die Breite zu wachsen und alles zuzuwuchern. Der Hopfen soll ja schließlich nach oben wachsen, hoch hinaus, dem Himmel entgegen. Er hat ja auch noch einiges vor: „An Johanni soll er oben sein“, heißt es bei den Hopfenbauern. Die Reben haben also noch fast sieben Meter vor sich bis zum 24. Juni des Jahres.

Für diesen Weg bekommen sie aber noch etwas Starthilfe: Ende April, spätestens Anfang Mai, werden die drei stärksten Triebe jedes Stocks ausgewählt und von Hand um die Drähte gedreht – immer schön rechts herum nach oben. „Man trainiert dabei die Pflanze, damit sie schön wächst.“ Dieses „Ausputzen“ und „Andrehen“ ist die für Eugen Kirzinger schwierigste und aufwändigste Arbeit. Kein Wunder, wird doch jeder Stock mit einem Kniefall bedacht und jeder Trieb einzeln in die Hand genommen.

Von wegen Sommerloch

Während der Hopfen dann wächst und gedeiht, geht die Arbeit weiter. Den ganzen Sommer über ist Pflege und Kontrolle angesagt, je nach Wetter mal mehr und mal weniger. Wenn zum Beispiel der Wind die Triebe von ihrem richtigen Weg am Draht entlang abbringt, werden sie alle einzeln wieder an den Draht zurückgeführt. Außerdem wird während des Sommers auf Krankheiten kontrolliert und wenn nötig bewässert – eben je nach Witterung.

Der lohnende Herbst

Ab Ende August oder Anfang September ist es dann so weit: Es geht an die Ernte, die hoffentlich für die Mühen belohnt – das heißt wenn Menge und Qualität stimmen und es ein gutes Jahr war. Riesige Berge Hopfenreben werden da geerntet. Eigentlich geht es aber nur um winzig kleine, gelbe Körnchen: Das Lupulin. In dem sind unglaublich viele verschiedene Inhalts-, Bitter- und Aromastoffe, gut geschützt durch die grünen Hopfendolden. Ob sich „nur“ dafür die ganze Mühe lohnt? Das lässt sich am besten und schnellsten mit einem Schluck guten Bier beantworten.

Mit der Ernte sind die vier Jahreszeiten des Hopfenjahres dann so gut wie vorbei. Die Maschinen werden überholt, die Gerüstanlagen in den Hopfengärten wo nötig erneuert und die eigenen Kräfte werden wieder gesammelt. Und dann gilt die alte Weisheit „nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ – die nächste Saison will vorbereitet werden.

 

Natürlich kann Hopfen auch ganz gut im kleineren Maßstab angebaut werden. Beispielsweise für eigene Biersorten und die eigene (Haus-) Brauerei. Vielleicht hat da ja jemand von unseren Lesern Erfahrung mit? Dann freuen wir uns sehr über eine Rückmeldung oder sogar einen Erfahrungsbericht, wie das denn im Kleinen so abläuft! 🙂

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