Bis das Recycling uns scheidet

Seien wir mal ehrlich: Auf wie vielen Flaschen, die wir pflichtbewusst zum Recyceln entweder im Pfandautomaten oder beim Getränkemarkt unseres Vertrauens zurückbringen, befindet sich der Verschluss noch auf der Flasche? Obwohl auch die Deckel wertvollstes Recycling-Material wären, landen viel zu viele davon im Müll. Dafür gibt es nun eine Lösung. Gestatten: Flip Lid.

Kaufen, trinken – und das war’s? Von wegen! Aus Konsumentensicht mag die Lebensspanne einer PET-Flasche eher kurz erscheinen. Doch die Flaschen bestehen aus einem Material mit hervorragenden Recycling-Eigenschaften, die genutzt werden sollten – gerade in Zeiten stark verschmutzter Meere und bergeweise Plastikmüll. Die gute Nachricht: Es finden immer mehr Flaschen wieder den Weg zurück in den Recycling-Kreislauf – die schlechte: Der Teil mit dem größten Recycling-Potenzial, nämlich der Verschluss, schafft es nur selten zurück.

Flip Lid – eine dauerhafte Lösung

Wie könnte man das ändern? Krones macht sich genau dazu Gedanken und sucht nach nachhaltigen Verpackungs-Designs, Recycling-Lösungen oder nach Möglichkeiten, den Einsatz von Kunststoff überhaupt zu reduzieren. Dieselben Gedanken machen sich auch die Verschluss-Experten von Aptar, einem Hersteller für spezielle Formen von Behälterverschlüssen. Gemeinsam mit Krones entwickelten sie eine Behälter-Deckel-Kombination, die ein ganzes Flaschenleben lang zusammenbleibt.

Doch lassen wir es die Spezialisten selbst erklären: Augustin de Tilly von Aptar und Volker Stammel von PET Packaging Design and Development bei Krones erklären genauer, was es mit Flip Lid auf sich hat – und welches Potenzial in diesem Deckel steckt:

Augustin, was ist Flip Lid genau und warum ist es eine so nachhaltige Verschluss-Lösung?

Augustin de Tilly: Flip Lid ist ein einzigartig einfacher, verbraucherfreundlicher Verschluss, der auch während des Trinkens an der Flasche bleibt und dadurch zusammen mit dem Behälter wieder zurück zum Recycling kommt. Mit Flip Lid wollen wir die gleiche Revolution erreichen, wie der ‚Stay-on-tap‘, der in den 70er Jahren auf den Markt gebracht wurde: ein Verschluss, der nach dem Öffnen an der Getränkedose haften bleibt. Warum unsere Lösung besonders nachhaltig ist? Erstens: Flip Lip ist ein Deckel aus dem Kunststoff Polyethylen, ein besonders recyclingfähiges Material. Zweitens: Die Tatsache, dass der Deckel an der Flasche befestigt bleibt, macht es um eine Vielzahl wahrscheinlicher, dass er zusammen mit dem Behälter in den Recycling-Prozess geht.

 

Worin unterscheidet sich Flip Lid aber von anderen Flach-Verschlüssen am Markt?

Augustin de Tilly: Flip Lid ist mehr als nur ein Verschluss, der den Inhalt einer Flasche schützt: Er bietet neben dem Nachhaltigkeitsgedanken dem Konsumenten ein hohes Maß an Trinkkomfort. Denn der Deckel muss beim Trinken nicht mehr abgeschraubt und festgehalten werden, sondern ganz einfach aufgeklappt, und nach dem Trinken wieder zugeklappt werden. Eine ergonomisch geformte Fingermulde vereinfacht das Öffnen und ein Klapp-Winkel von 270° sorgt dafür, dass der Verschluss den Trink-Genuss nicht stört – eigentlich merkt man nicht, dass dieser überhaupt da ist. Und: Indem der Verschluss dauerhaft an der Flasche bleibt, überzeugt er auch in Sachen Sauberkeit und Hygiene.

Aptar hat gezielt Krones als Partner gewählt, um gemeinsam an dieser Verschluss-Lösung zu arbeiten. Warum?

Augustin de Tilly: Wir haben Krones strategisch und aus mehreren Gründen ausgewählt, um eine gesamtheitliche Lösung für diese neue Produktkategorie zu entwickeln: Zum einen hat Krones ganz klar die nötige technische Anlagenkompetenz und enorm viel Erfahrung in Sachen Preform- und Behälterdesign, Verschlüsse und Fülltechnik. Zum anderen deckt sich die Denkweise und Philosophie von Krones mit unserer: Trotz einer gewissen Größe des Unternehmens haben Mensch und Umwelt einen hohen Stellenwert und auf partnerschaftliche Zusammenarbeit wird großen Wert gelegt. Das haben wir auch während des gesamten Entwicklungsprozesses gemerkt. Ein weiterer Pluspunkt: das weltweite Netzwerk, das Krones mitbringt. Dies schafft die Möglichkeit, internationale Markttrends, Verbraucherverhalten und Kundenanforderungen zu erfassen und zu bündeln.

Inwiefern hat auch Krones als Hersteller von Maschinen zur Verarbeitung von Kunststoffen eine gewisse Verantwortung, sich mit nachhaltigen Verpackungen zu beschäftigen?

Volker Stammel: Natürlich einerseits aus eigenem Verantwortungsbewusstsein – aber auch aufgrund der konkreten Anforderung unserer Kunden. Krones muss als Komplettanbieter für die verschiedensten Kundenanforderungen gewappnet sein und eine entsprechende Lösung bieten. Im Rahmen des PET Packaging Development and Consulting beschäftigen wir uns mit eben solchen gesamtheitlichen Ansätzen. Künftig erwarten uns immer mehr gesetzliche Vorgaben zur Vermeidung von Plastikmüll, an die sich auch unsere Kunden als Getränkeproduzenten halten müssen. Also setzen wir uns bei Krones das Ziel, für zukünftige Veränderungen am Markt gerüstet zu sein und unseren Kunden schon vorab eine funktionierende technische Lösung zu bieten. Mit Flip Lid haben wir gemeinsam mit Aptar ein Verpackungssystem entwickelt, bei dem, neben den nachhaltigen Vorteilen, auch alle technischen Komponenten hinsichtlich einer effizienten Anlagenlösung berücksichtigt sind.

Was bietet Krones seinen Kunden dafür als technische Lösung und welchen Mehrwert hat der Kunde?

Volker Stammel: Die Neuentwicklung bietet dem Kunden einerseits Materialeinsparung und dadurch nicht nur weniger Kosten, sondern auch einen ökologischen Vorteil. Der Clou dabei steckt allerdings im Flaschenhals: Eine Lightweight-Mündung (26/22) eignet sich für stille und karbonisierte Getränke gleichermaßen und ist damit ein richtiges Multitalent. Denn durch unterschiedliche Verschluss- und Preform-Varianten wird beim Wechsel von stillen auf karbonisierte Getränke (und umgekehrt) keine Umstellzeit mehr benötigt – und das könnte wiederum zu einer höheren Linieneffizienz führen.

Und ganz konkret zum Schluss: Wann könnte ich als Konsument Flip Lid im Supermarkt finden?

Volker Stammel: Das Ganze ist momentan noch ein Pilotprojekt und wir befinden uns gerade in der technischen Validierung. Wann genau wir damit auf den Markt gehen können ist zwar noch unklar, aber wir könnten uns die kommerzielle Umsetzung im Jahr 2020 durchaus vorstellen.