3 Min. Lesezeit Chinesischer Besuch im Ausbildungszentrum

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Chinesischer Besuch im Ausbildungszentrum Ausbildung | | 09.03.2017 3 Min. Lesezeit

Die chinesische Ausbildungskoordinatorin Joyce besuchte im Februar das Ausbildungszentrum in Neutraubling. Sie ist mittlerweile seit sieben Jahren am chinesischen Standort Taicang für die Organisation der Ausbildung zuständig. Jetzt nahm sie sich Zeit für ein interessantes Gespräch mit uns dreien, dem Patrick, Alexander und mir.

Neutraubling, 20. Februar 2017, 10 Uhr: Gemeinsam setzen wir uns mit der jungen Chinesin zusammen und läuten den Kulturaustausch ein. Um das Eis gleich von vornherein zu brechen, fragten wir erst, wie es ihr denn in Deutschland so gefalle: „Sehr gut, aber der Winter ist mir definitiv zu kalt, das habe ich bereits nach meinem ersten Besuch in Deutschland sehr schnell feststellen können“, erklärt Joyce. Abgesehen davon waren ihre ersten Eindrücke, die sie in Neutraubling sammelte, sehr faszinierend: „Das Firmengelände kam mir einfach nur riesig vor. Ich fühlte mich erst fast ein bisschen verloren, aber zum Glück ist hier alles sehr gut organisiert.“

Ausbildung – so läuft’s in China

Als nächstes wollten wir mehr über ihre Hauptaufgabe − die Ausbildungskoordination in China − erfahren. Sie erzählte uns, dass China zurzeit über ein größtenteils schulisches Ausbildungssystem verfüge: Das bedeutet, dass es nicht vorgesehen ist, zu arbeiten, bevor man 18 Jahre alt ist – und bis dahin wird die Schulbank gedrückt. Hier lernen die Schüler aber bereits Wesentliches für ihren Job – und zwar in Werkräumen, wie wir sie aus unseren deutschen Berufsschulen kennen. Führt der berufliche Weg dann Richtung Handwerk, erwerben die Lehrlinge ihr praktisches Wissen in einem Betrieb durch eine Art Grundausbildung. Währenddessen können sich die chinesischen Azubis dann auch beruflich orientieren, in welche Richtung es nach der Grundausbildung gehen soll. Speziell bei Krones können sich die Jugendlichen zwischen Elektroniker und Mechatroniker entscheiden – darauf spezialisieren sich dann auch die Ausbildungsinhalte. Derzeit absolvieren rund 30 junge Erwachsene im Alter zwischen 19 und 20 Jahren ihre dreijährige Ausbildung bei Krones Taicang. Am Ende nehmen sie an einer Abschlussprüfung nach deutschem Standard teil.

Eine weitere Frage zum Thema Arbeit und Ausbildung, welche uns besonders interessierte, war: Gibt es in China eigentlich Gewerkschaften? Hierbei erfuhren wir, dass es in China keine großen Gewerkschaften gäbe, da Gewerkschaften höchstens nur betriebsintern bestehen würden, dieser Prozess jedoch sehr kompliziert und umständlich wäre.

Zum Ende des Treffens hin ergab sich uns schließlich die Gelegenheit, noch ein paar persönliche Fragen zu stellen. Zum Beispiel: Woher hat sie eigentlich den Spitznamen „Joyce“? Hat sie ihn selbst gewählt? „Nein, ich habe ihn mir nicht selbst ausgesucht. Den erhielt ich bereits während meiner Zeit an der Uni im Englischunterricht und nahm ihn dann einfach mit in die Firma. Krones lernte ich schon während meines ersten Praktikums kennen.

Und wie steht es um die Gleichberechtigung in China?

„Es gibt eigentlich keine großen Unterschiede im chinesischen Werk – Männer und Frauen genießen schon Gleichberechtigung. Mittlerweile findet man auch immer mehr Frauen in Chefpositionen. In technischen Berufen ist der Frauenanteil jedoch eher gering, Frauen findet man häufiger in Bürojobs“.

Und zum Schluss wollten wir noch mit einem Vorurteil aufräumen (oder auch nicht?): Gibt es in der chinesischen Kantine tatsächlich nur Reis und Tee?

Joyces Antwort fiel recht eindeutig aus: „Ja! Es wird zwar nicht nur ausschließlich Reis angeboten, aber größtenteils. Ab und zu werden auch Knödel, Nudeln und Fleisch serviert, jedoch sind Reis und Gemüse vorherrschend. Tee und Kaffee halten sich aber in der Waage.“ Über das deutsche Essen kann die Chinesin nur lachen: „Currywurst und Schnitzel sind zwar lecker, mir persönlich aber etwas zu schwer.“

Nach einem interessanten Gespräch verabschiedeten wir uns bei Joyce mit einer Liste voll geklärter Fragen.

 

Dieser Text ist in Zusammenarbeit mit Patrick Lermer und Alexander Deml entstanden.

Patrick Lermer

Alexander Deml

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